CV

"In rhetoric and expressive interpretations, Sebastian Bohren proves a versatile and imaginative Bach performer." (Pizzicato)

With his expressive, soulful playing, Swiss violinist Sebastian Bohren has quickly established himself as one of the most interesting talents of his generation. Ninety concerts each year as a soloist and chamber musician lead the young musician around the globe. He appears as a soloist with the Sinfonieorchester Basel, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Luzerner Sinfonieorchester, Staatskapelle St. Petersburg, Orchestra di Padova, Zürcher and Berner Kammerorchester, and Argovia Philharmonic (among other ensembles) under the direction of Andrew Litton, James Gaffigan, Patrick Lange, Elim Chan, Muhai Tang, and Heinrich Schiff. In 2018 he will make his debut at the Lucerne Festival.

Sebastian Bohren’s recording of Beethoven’s Violin Concerto, released in 2016 with RCA Red Seal, won enthusiastic acclaim from the press. In 2017 another recording followed featuring violin concertos of Mendelssohn, Hartmann, and Schubert as well as a digitally-released live album with works by Peteris Vasks and Gija Kancheli. With the ensemble CHAARTS and Gabor Takacs-Nagy, he will record the Mozart violin concertos in autumn 2018.

Bohren is a member of the Stradivari Quartet. In 2018 the ensemble will perform at venues including the Seoul Arts Center, National Center for Performing Arts Beijing, and Shanghai Symphony Hall, and will also tour Japan. Highlights of recent seasons have included performances at Hamburg’s Elbphilharmonie, Victoria Hall in Singapore, the Rheingau Musik Festival, Kissinger Sommer, and Rubinstein Piano Festival. Their debut CD featuring Mozart’s Prussian Quartets was followed by a recording of Robert Schumann’s three string quartets in spring 2018.

The Zürich-based violinist still maintains close ties with his home, the canton of Aargau. In 2015 he was granted a sabbatical year by the Aargauer Kuratorium, and in summer 2015 he served as Festival Artist at the Boswiler Sommer festival. He successfully directs his own concert series, the Stretta Concerts, in Brugg. 2015 also marked the release of his first CD, on which he performs Ignaz Pleyel’s rarely-heard violin concerto.

Born in 1987, Sebastian Bohren graduated from the High School for the Fine Arts and Sports Rämibühl in Zürich. He completed his training in Zürich, Lucerne, and Munich with Zakhar Bron, Robert Zimansky, Igor Karsko, and Ingolf Turban. He received further instruction from Ana Chumachenco and Hansheinz Schneeberger.

He plays an instrument by G.B. Guadagnini (Parma 1776) from a Swiss private collection.

NEWS

August 2018

Gramophone about the Bach recording

PAST CONCERTS

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CD

CD-Trailer

(August 2017)

Reviews
Klassik Heute, August 2018
Unter den akustisch idealen Bedingungen der Pollinger Klosterbibliothek hat sich Sebastian Bohren in die stattliche Reihe der Interpreten Bachscher Soloviolinmusik eingefügt und eine Einspielung der Partiten in d-Moll und E-Dur, sowie der Sonate in C-Dur vorgelegt. Zweifellos ist Bohren ein technisch souveräner Geiger. Die Aufnahmen strahlen durchweg den Eindruck aus, dass das, was erklingt, auch so gewollt ist. Niemals wirkt ein Effekt, als sei er zufällig unterlaufen.

Die Darbietung der Allemanda aus der d-Moll-Partita, mit der die CD eröffnet wird, lässt bereits wesentliche Merkmale der Interpretationsweise Bohrens erkennen: Grundlegend spielt er nonlegato und wählt einen Legatovortrag nur für die von Bach ausdrücklich mit Bindebögen versehenen Phrasen. Kontraste werden dezent gesetzt, unter Vermeidung auffälliger Dynamik- und Temposchwankungen, so dass die Musik sich unaufgeregt und stetig vorwärtsbewegt. In dieser gelassenen Lebhaftigkeit der raschen Sätze zeigt sich die Stärke Bohrens. So gelingt ihm das Präludium der E-Dur-Partita, in dem er auch die einkomponierten Echoeffekte nicht vernachlässigt, schlichtweg vortrefflich. Gleiches lässt sich vom Finale der C-Dur-Sonate sagen.
...

Kulturradio RBB, August 2018
Mit den sechs Partiten und Sonaten für Solovioline hat Johann Sebastian Bach zwischen 1715 und 1720 einen Höhepunkt der Geigenliteratur geschaffen. Für sein erstes Soloalbum hat sich Sebastian Bohren die drei letzten Werke aus diesem Zyklus ausgesucht. In diesem "abgerundeten" Programm könne er auch seine beiden Lieblingssätze präsentieren: die C-Dur-Fuge aus BWV 1005 und die Chaconne -"Herzensangelegenheiten" nennt der Geiger diese beiden Sätze.
Bachs berühmte d-moll-Chaconne - Schlusssatz der Partita Nr. 2 - ist ein mehr als zehn Minuten dauerndes Paradestück, das Bohren schon oft im Konzert, aber nun zum ersten Mal auch auf einer CD spielt. Interessanterweise hört man ihn dabei noch auf der Stradivari "King George", die Bohren mittlerweile durch eine Guadagnini-Geige ausgetauscht hat. Das jüngere Instrument - gebaut 1767 - ist auf dem Podium deutlich kräftiger im Ton, die Stradivari darf dafür auf dieser CD noch einmal in allen Cremoneser Klangfarben strahlen.
"In jedem Ton verbergen sich ganz viele Schatzkisten, die man finden muss" - was Sebastian Bohren für sein Geigenspiel allgemein formuliert, gilt für die drei aufgenommenen Werke in ganz besonderem Maße. Es sind Schätze der barocken Polyphonie, die hier allerdings nur auf einem einzigen Instrument ausgeführt wird. Genau die richtige Herausforderung für diesen hervorragenden Geiger, der bei Hansheinz Schneeberger in Basel studiert hat und nicht zufällig Nathan Milstein als sein grosses Vorbild benennt - einer der größten Geiger des 20. Jahrhunderts, der bis heute für seine Aufnahmen der Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach verehrt wird.

Gramophone, August 2018
This is not ‘period’ solo Bach – the lingering lick of vibrato on the last note of the disc’s opening phrase, from the Allemande of the Second Partita, reveals that in a moment – but neither is it of the old-school kind, big-toned and intense. The Swiss violinist Sebastian Bohren is for the most part sparing with vibrato, preferring to rely on satin-smooth tone, clean texture and a pleasingly loose-limbed, almost nonchalant ease of movement. These can only be achieved with a high level of technical command, and that is certainly what Bohren has; at no point is there any sense of the difficulty of this music, of strain in meeting its daunting challenges to bow and fingers, not even in the Chaconne or the giant Fugue of the Third Sonata. Bohren, it appears, has mastery over them all.

It makes for solo Bach that is uncommonly easy on the ear; and, in faster and more motoric movements such as the Prelude of the Third Partita or the freewheeling final Allegro of the Third Sonata, its nimble precision can be exhilarating. It also allows him to deliver a languid Third Sonata Largo and some light-footed dances in the Third Partita, including a nicely loping Loure. In the Fugue, too, he is able to maintain a lyrical quality in the entries of the chorale-based subject, an objective he identifies in his booklet interview. What he does not do so successfully, however, is address the music’s rhetorical demands; where another player’s phrasing might bend, relax and tauten, Bohren’s is a little unvarying and lacking in imagination, making some of these movements edifices rather than living and breathing creations. That may be enough to send you elsewhere but even so there must be few recordings of these great pieces in which the beauty of the violin-playing can in itself give so much pleasure. Lindsay Kemp

Pizzicato, July 2018
Johann Sebastian Bach – ein Name, der geradezu Ehrfurcht erfordert. Jedes Werk des Thomaskantors scheint ein besonderer Gradmesser für einen Musiker zu sein. So steht es auch um die Solo-Werke für die Violine. Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren betrachtet Bachs Musik nicht als unbezwingbaren Berg, als unerreichbaren Matterhorn-Gipfel. Er spielt ganz einfach Bachs Musik, und er spielt mit ihr.

Sebastian Bohren scheut sich nicht davor, die strenge Form aufzubrechen, das Metrum gelegentlich zu vernachlässigen. Er tut dies nicht aus Trotz, aus purem Eigenwillen, er tut es um der Musik wegen. Nur in freier rhetorischer Entfaltung kann Bohren Bachs Musik gerecht werden. Nur so kann er sie von den Fesseln des rein Etüdenhaften befreien und eine ausdrucksstarke Musik gestalten.

Das macht Sebastian Bohren mit sicherem, virtuosem Bogen, mit kräftigem Ton und lyrischen Zwischenrufen. So hält er die Spannung hoch und unterstreicht mit erfrischender Natürlichkeit Bachs höchste Ansprüche an die Interpreten seiner Musik.

"In rhetoric and expressive interpretations, Sebastian Bohren proves a versatile and imaginative Bach performer."

NZZ am Sonntag, July 2018
Wenn ein Musiker nicht mehr zweifelt, soll er schweigen. Dem Schweizer Geiger Sebastian Bohren (*1987) wird das nie im Leben passieren. Er sucht, triumphiert - und verwirft. Nun hat Bohren, der im Sommer beim Lucerne Festival debütiert, eine Solo-Sonate und zwei Partiten von J.S.Bach eingespielt, Werke von Schlichtheit und Perfektion. Bohren spielt sie mit einem sonnenstrahlenden Selbstversändnis. Der Ton ist voll, die Bögen gross. Aber man hört auch das Zweifeln, er scheint sich auch einmal zu verrennen, um bald mächtiger, gelöster zurückzukehren und zu fragen: "Hier könnte ein Weg in den Himmel sein, nicht?" Christian Berzins

Der neue Merker, June 2018
Sebastian Bohren versteinert nicht in schüchterner Schreckstarre vor diesen mythisch-barocken Stücken für Violine solo heran, sondern er genießt sie einfach. Natürlich bewundert der Geiger aus Zürich, was Bach mit so traditionellen Tanzsätzen alles „anstellen kann“ und wie ökonomisch er dabei die kompositorische Feder führte.

Der Musikfreund wiederum ist verblüfft, wie unbeschwert mutig und dennoch wissend Sebastian Bohren diese Eiger Nordwand der Sololiteratur für Violine erklimmt, sie umwirbt, sie ausleuchtet. Mit stets fein ziseliertem Ton, aber doch kraftvoll geführtem Bogen webt Bohren seine eigene Marke in die unendlichen Mäander der Bachschen Partiten, scheint über einen unendlichen Atem zu verfügen und bleibt doch der Musiker zum Anfassen, der den Boden unter seinen Füßen „Himmel und Hölle“ vorzieht. Das streng unerbittliche Metrum, das blau sterile kosmische Vergehen in der Musik sind seine Sache nicht. Sebastian Bohren ist viel zu sehr Vollblutmusiker, um nicht auch als Interpret in die Fußstapfen des Meisters aus Eisenach schlüpfen zu wollen. Überhaupt ist es die wie improvisiert wirkende Kreatürlichkeit des Geigers, die fasziniert. Bohren braucht für seinen Bach keine Noten, die Partituren kennt er von Kindesbeinen an auswendig.

Bohren schwärmt in einem Filmtrailer zur CD, die auf seiner Website abrufbar ist, von idealen Verhältnissen des musikalischen Inhalts bei Bach. Trotz aller Freiheiten eines kreativen Geists weiß Bohren um die Proportionen der Musik, die Balance in der dynamischen Abmischung, den goldenen Ariadnefaden durch die vielen, vielen kleinen Noten. Die Form bleibt final jedoch stets nur der architektonische Rahmen, in der Ausdruck und persönliches Erleben sich musikantisch manifestieren können. Ein Ereignis!

Der erste Versuch mit Bach solo ist geglückt, mögen weitere – auch auf Tonträger – folgen.

Dr. Ingobert Waltenberger

Hartmann: Concerto funebre / Mendelssohn & Schubert
CD-Trailer

(September 2016)

Reviews
MDR Kultur, July 2017
Nachdem bei RCA Red Seal eine erste CD mit Beethovens Violinkonzert ("Equal") erschien, hat Sebastian Bohren ... virtuos und emotional packende Musik für Violine und Streicher, die er auf der Suche nach dem natürlichen Klang, "der goldenen Mitte", sehr persönlich und ausdrucksstark, aber stets auf Augenhöhe mit dem überaus homogen agierenden Ensemble CHAARTS, interpretiert. (ir)

Fono Forum, June 2017
Musik **** Klang *****
"Nach seiner Debüt-Aufnahme mit Beethovens Violinkonzert möchte Sebastian Bohren mit seiner zweiten CD ein persönliches Statement abgeben, indem er Werke kombiniert, die ihm eine "Herzensangelegenheit" sind. Mendelssohns frühes Violinkonzert kommt mit eleganter Leichtigkeit daher, aus Hartmanns "Concerto funebre" klingt der hintergründige Ernst aus fein ausgersterten Klangstrukturen, Schuberts Rondo federt gelassen dahin. Und Respighi schwebt unter den Händen der Chaarts-Musiker. Hallgetragenes, sehr transparentes und gut ausbalanciertes Klangbild." Norbert Hornig

The Strad, June 2017
Bohren dispenses with the myth of the difficult second album

As with his debut disc, Sebastian Bohren's sequel comprises a strikingly varied programme. Its centrepiece is Hartmann's sombre Concerto funebre, a pacifist's protest against political events that were to lead to war. Bohren conveys the work's powerful emotional message in a perspective and intimate account. He draws maximum effect from its extremes of mood, moving from its doleful Introduction, through its fragmented, intensely anguished Adagio to the vigorous virtuosity, energetic rhytms and bitingly angry sarcasm of its third movement and the peaceful yet intense resignation of its plangent finale. The Chaarts Chamber Aartists support and interact with him with compelling unanimity of expressive purpose.
Bohren's assured technique, idiomatic flexibility and natural artistry are admirably illustrated in an engaging reading of Schubert's Rondo D438, in which he conjures up Viennese elegance aplenty, maintaining a singing line, sensitively shaped. His intended move towards a historically informed account of Mendelssohn's youthful D minor Violin Concerto is only a mere nod. Nevertheless, his relaxed lyricism and easy virtuosity, coupled with natural, well-balanced recorded sound, make for enjoyable listening, especially the brilliant, Csardas-inspired finale. Robin Stowell

Gramophone, June 2017
First to arrive was a CD called ‘Equal’ (7/16), the focus there being Beethoven’s Violin Concerto, and now we have ‘Op 2’ (not, you’ll note, the designated opus number for the pieces programmed), a selection of works that are close to Sebastian Bohren’s heart. There’s one incontestable masterpiece, the Concerto funebre for violin and strings by a German composer who withdrew into internal exile for the duration of the Second World War, beyond which he refashioned a number of his major works. Karl Amadeus Hartmann’s wonderful concerto opens by quoting the ‘Hussite Song’ that Smetana uses in Má vlast and Dvo?ák in the Hussites Overture. Allusions to Wagner haunt the second movement, whereas the violent third anticipates the world of Shostakovich’s Seventh and Eighth Quartets, and the work concludes with slow chorale. Concerto funebre has not been short of fine recordings, André Gertler and Thomas Zehetmair having produced two of the best, but Bohren’s comprehensive rendition homes in on every varied nuance that Hartmann calls for, from ethereal quiet playing among the instrument’s upper reaches to a swingeing attack of the bow elsewhere.

Mendelssohn’s teenage D minor Concerto was pioneered in modern times by Yehudi Menuhin, who recorded it memorably, and again Bohren offers a keenly communicative, virtuoso account with seamless passagework, especially in the first movement. If you’re expecting premonitions of the great E minor Concerto, be warned, there aren’t many, but it’s a pleasing and precocious piece, much along the lines of the string symphonies. The other Bohren favourites are Respighi’s Third Ancient Airs and Dances Suite, a melange of 16th- and 17th-century movements skilfully arranged, and Schubert’s A major Rondo, D438, where Bohren affects a winning lilt in the main rondo theme. Phrase shaping is always musical and the playing of the CHAARTS Chamber Artists is highly accomplished throughout. Excellent sound, too.

On a slightly different note, maybe someone could come along with an ‘Op 111’ CD – opus-led this time, ie Beethoven, Reger, Brahms and Dvo?ák, for starters, all marvellous pieces.

Pizzicato, June 2017
Wunderbare Werke für Streichorchester, in drei Fällen mit Solovioline, hat der junge Geiger Sebastian Bohren auf dieser CD mit dem Titel ‘Op. 2’ vereint.

Sicherlich gehört der Schweizer Geiger Sebastian Bohren zu den ausgezeichneten Interpreten, die einer Solostimme über die technische Beherrschung hinaus eigene musikalische Gedanken hat und vermitteln kann. Das Mendelssohn-Konzert ist dafür ein gutes Beispiel. Hier lässt er die jugendliche Frische ungefiltert an unsere Ohren gelangen.
Bei Hartmann wird es schon schwieriger. Die Konzeption des Werkes wird nicht durchgehend deutlich gemacht und so werden intensive Passagen nebeneinandergestellt. Der Schubert ist wiederum konzeptionell gelungen und gut strukturiert gespielt, lässt aber die Raffinesse vermissen, mit der zum Beispiel ein Geiger, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, so ein Werk intim beleuchtet. Sebastian Bohnen ist ein toller Geiger, aber auch noch entwicklungsfähig.
Die in Aargau beheimatete ‘Chaarts – Chamber Aartists’ präsentieren ihren Part mit großer Anteilnahme. Auch Respighi erfährt eine farblich nuancierte Widergabe, die den Reiz der Stücke wohltuend beleuchtet.

Kulturradio RBB, May 2017
Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre" steht im Mittelpunkt dieser CD. Das Werk bringt die Trauer über das Leid des 2. Weltkriegs in beeindruckender Weise zum Ausdruck. Ein Schlüsselwerk für den Schweizer Geiger Sebastian Bohren.

Seit seiner Kindheit, erzählt Sebastian Bohren, habe ihn Hartmanns "Concerto funebre" begleitet. Ein Schlüsselwerk für den jungen Geiger, der nach seiner ersten CD mit Beethovens Violinkonzert nun zeigt, dass er auch die großen Werke des 20. Jahrhunderts herausragend interpretieren kann.
Sebastian Bohren verfügt über einen tragenden Geigenton, den er in Hartmanns Konzert von Satz zu Satz gekonnt variiert: Zu Beginn hören wir die Verlorenheit des Einzelnen, während die dumpf marschierende Masse im dritten Satz aggressiv ihr ganzes Unheil verbreitet, bevor dann im Schlusssatz in einem stillen Choral eine große Trauer das Werk beschließt.
Hervorragend, wie Sebastian Bohren im stets gleichberechtigten Zusammenspiel mit dem exzellenten CHAARTS-Orchester die klanglichen Kontraste und die Entwicklung der Musik herausarbeitet.

Frühwerke

Der Beginn des Albums ist leicht und beschwingt, ohne dabei auch nur einen einzigen Moment in die Nähe von Oberflächlichkeit zu geraten: Felix Mendelssohn Bartholdys frühes Violinkonzert in d-Moll, komponiert von einem 13 Jahre alten Wunderkind. Eine Kategorie, in die sicher auch der nach eigenen Worten immer noch den vollendeten Klang suchende  Sebastian Bohren gehört. Geboren 1987 in Winterthur, steht er seit vielen Jahren auf der Bühne, hat verschiedene Preise und Stipendien gewonnen und zeigt sich jetzt erneut als einer der besten Geiger seiner Generation.

In der sehr persönlichen Auswahl dieses Albums präsentiert Sebastian Bohren im Anschluss an Mendelssohn Bartholdy und Hartmann noch zwei weitere "Herzensangelegenheiten", wie er die ausgewählten Stücke nennt: Ottorino Respighis Suite Nr. 3 "Antiche danze ed arie" und das "Rondo in A-Dur" für Violine und Orchester von Franz Schubert.

Meisterwerke

Sämtliche Werke dieser intelligent zusammengestellten CD beschäftigen sich auf ihre Weise mit der unendlich ergiebigen Verbindung von Tradition und Moderne: bei Mendelssohn Bartholdy klingen Mozart und C. Ph. E. Bach an. Karl Amadeus Hartmann verbindet Choräle des Mittelalters, spätromantische Harmonik und expressive Klänge der Moderne. Respighi schließlich besinnt sich in seiner neoklassizistischen Suite auf barocke Vorbilder.
Sebastian Bohren zeigt sich mit "Op. 2" erneut als kluger, mit allen klanglichen und technischen Möglichkeiten ausgestatteter Geiger – seine "Dritte" wird hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen.
Hans Ackermann, kulturradio

NDR Kultur, April 2017
Die Verschmelzung mit dem Ganzen

Ein Musiker unter gleichen will er sein, der Schweizer Geiger Sebastian Bohren. Musizieren auf Augenhöhe - darum geht es ihm. Entsprechend hieß sein gefeiertes Debütalbum auch "Equal": ein Album mit Beethovens Violinkonzert. Jetzt hat Sebastian Bohren nachgelegt: seine zweite Aufnahme mit den Chaarts Chamber Aartists heißt schlicht "Opus 2" und ist CD der Woche bei NDR Kultur.

Ein aufstrebender junger Geiger, der sich nicht exponiert und der mit Überzeugung sagt: Das schönste im Leben ist Üben. Im Fall von Sebastian Bohren ist das keine falsche Bescheidenheit. Dem 29-jährigen Schweizer geht es um die Suche nach seinem eigenen, natürlichen Geigenklang: "Ich versuche, mit dem Ensemble praktisch zu verschmelzen und aus dem Ensemble nur herauszuwachsen in ganz selbstverständlicher Weise. Immer auf der Suche nach der Natürlichkeit, nach Echtheit und Ehrlichkeit im Spiel. Nach dem guten Geschmack, nach der goldenen Mitte. Auch für mich ganz speziell auf der Suche nach der echten Qualität." Mit dieser uneitlen Haltung ist Sebastian Bohren erneut eine CD von hoher Künstlerischer Qualität gelungen.

Ungewöhnlich ist die Programmauswahl. Zunächst das selten aufgeführte d-Moll Violinkonzert des 13-jährigen Mendelssohn, historisch informiert gespielt. Sebastian Bohren kombiniert es mit einem Werk der klassischen Moderne, dem Concerto funèbre von Karl Amadeus Hartmann, das ihn seit Kindertagen begleitet. Auch das ist ungewöhnlich; handelt es sich doch um Musik, die aus Verzweiflung über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde. Ein düsteres Konzert mit weiten Kantilenen und spannungsvollem Mit- und Gegeneinander von Solo und Tutti. Durch imponierende Grifftechnik verblüfft Sebastian Bohren ebenso, wie durch feinste Abstufungen in Dynamik und Klang. Er löst ein, was Karl Amadeus Hartmann gefordert hatte. Jede Note solle durchfühlt, jede Zweiunddreißigstel-Pause aufmerksam durchgeatmet sein.

Nach dieser - wie der Komponist sie selbst nannte - "Todesmusik für die Opfer des Grossdeutschen Weltherrschaftswahns" geht es neoklassisch in milde Gefilde mit Ottorino Respighis Rückbesinnung auf italienischen Frühbarock. Die Alte Weisen und Tänze-Suite Nummer drei verströmt geschmeidige Natürlichkeit und Sebastian Bohren taucht wieder ganz ein in den Klang der Chaarts Chamber Aartists. Gegründet haben das Ensemble Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra. Den kammermusikalischen Ansatz beschreibt der Cellist und künstlerische Leiter Andreas Fleck folgendermaßen: "In der Regel nimmt der Dirigent die Aufmerksamkeit sehr stark auf sich; und der Solist ist meistens beim Entstehungsprozess nicht dabei. Das wollt ich ändern. Also haben wir einfach grundsätzlich schon mal den Dirigenten entfernt. Und der Solist muss von Anfang an dabei sein. Also schon bei den Proben zum Stück, um auch seinen Erfahrungsschatz mit reinzunehmen."

Als Mitglied des Stradivari-Quartetts begreift sich Sebastian Bohren auch in größerer Formation als Kammermusiker. Der Schüler von Zakhar Bron und Ingolf Turban hat in dem kleinen Ensemble hoch engagierte Mitstreiter gefunden mit Leidenschaft und musikalischer Erzählfreude. Glänzen darf seine King George-Stradivari abschließend in Schuberts Rondo für Violine und Streicher A-Dur - Abschluss einer warmherzigen, wirklich beseelten Aufnahme.

NZZ am Sonntag, April 2017
OP. 2, SONY ***** Auf den Mount Everest wagten sich der Schweizer Geiger Sebastian Bohren und das Kammerorchester CHAARTS in ihrer ersten CD. Nicht weniger spektakulär ist nun Op. 2: Prächtig die Spiellust bei Mendelssohn und Schubert, eindrücklich die Ausdruckskraft Bohrens in Hartmanns "Concerto funebre".

Der neue Merker, March 2017
Der junge Schweizer Geiger Sebastian Bohren stellt mit seiner zweiten, nüchtern betitelten CD seinen ganz besonderen Stellenwert unter den Violinvirtuosen seiner Generation unter Beweis. Wie schon beim Debütalbum »Equal« mit Beethovens Violinkonzert, sind die vorzüglichen CHAARTS Chamber Aartists wieder mit von der Partie.

Was bei Bohren neben der ungewöhnlichen, aber überzeugenden Programmzusammenstellung frappiert, ist die Teilhabe am Werdensprozess eines uneitlen Musikers, der das Erreichte nie als Absolutes, sondern als „work in progress“ eines Suchenden, als Etappe auf einem persönlichen künstlerischen Weg begreift. Der Zuhörer kann staunend nachhören, wie Bohren etwa beiKarl Amadeus Hartmanns Concerto funebre aus dem Jahr 1939 verschiedenste Bogentechniken auslotet, um die Atmosphäre des „als persönlicher Kontrapunkt zum hysterischen Siegesbild des Polenfeldzugs“ konzipierten Werks am emotional dichtesten zu erfassen. Dem Trauercharakter des Konzerts entsprechend kommen der Bekenntniston der Violine, das Gebethafte dieser düsteren Musik dank Bohrens mutig kompromissloser Lesart erschreckend intensiv zum Ausdruck. Uraufgeführt 1940 in St. Gallen, zitiert das Concerto funebre Wagner ebenso (Tristan) wie barocke Formelemente oder stampfende Rhythmen à la Shostakovich‘. Auch ein Trauermarsch aus der russischen Revolution 1905 „Unsterbliche Opfer, ihr sinkt dahin“ gehört zum musikalischen Humus der existentiellen musikalischen Auseinandersetzung, die der Solist gegen die Tutti bestreiten muss.

Ganz anders stimmt das die CD einleitende Violinkonzert in D-Moll des 13-jährign Mendelssohn. Hier prävaliert nicht der ernste Bekenntniston, sondern die Forschungsreise eines neugierigen genialen jungen Tonsetzers, die das Verlangen Mendelssohns spiegelt, „zu erfahren, zu lernen, zu prüfen, um der Sache willen weiter zu kommen“, wie das der Theatermann Eduard Devrient so trefflich beschrieben hat. Ein Leitsatz, den sich auch Sebastian Bohren für sich selbst ausgedacht haben könnte.

Die weitere Erkundung geht in Bohrens „Op. 2“ von der neoklassischen Aneignung der antiken Arie ed Danze des italienischen Frühbarocks durch Ottorino Respighi in dessen Suite Nr. 3bis zu Franz Schuberts Rondo für Violine und Streicher in A-Dur, D. 438. Bei diesem einsätzigen frühen Gelegenheitswerk mit hausmusikalischem Concertino-Charakter kommt Bohrens Erfahrung als Kammermusiker ein- und ausdrücklich zur Geltung: Das Miteinander im Klang und Artikulation, die stilistische Kongruenz als auch „die Suche nach interpretatorischer Tiefe und einer unaufdringlichen, dennoch starken Aussage“, so wie der Künstler selbst in einem Statement im Booklet beschreibt. Das einende Band aller auf der CD vereinten Kompositionen ist aber letztlich, dass sie eine „Herzensangelegenheit“ des Solisten darstellen.

Bohren spielt ein Instrument von Antonio Stradivari (King George 1710), aus der Sammlung der Stiftung Habisreutinger.

Dr. Ingobert Waltenberger

Klassik Heute, March 2017
Seine Einspielung des Beethoven-Violinkonzerts stieß im letzten Jahr auf ein überaus positives Echo in der Fachwelt. Leider ging diese ungehört an mir vorüber, wie mir auch der Name Sebastian Bohren bis heute unbekannt war. Was als ein Versäumnis meinerseits gedeutet werden kann, mag aber auch ein Hinweis darauf sein, dass der aus Winterthur stammende und bei Zakhar Bron, Igor Karsko und Ingolf Turban ausgebildete Geiger niemand ist, der seine Karriere mit großem Trara vorantreibt, sondern seine künstlerischen Schritte mit Bedacht und Ruhe plant. Folgerichtig steht seine neue Veröffentlichung auch nicht unter dem Motto „Hoppla, hier komm ich“. Das Programm der mit „Op. 2“ überschriebenen CD ist keines der von Beginn an Aufmerksamkeit und Beifall heischenden Art, sondern ein Programm der feinen Zwischentöne. Sehr hellhörig ausgehorchte Zwischentöne, die als ein immenses Ausdrucksbedürfnis jederzeit hörbar, ja fast schon körperlich erfahrbar sind, ohne dass man den Eindruck gewinnt, Sebastian Bohren und die ebenfalls aus der Schweiz stammenden CHAARTS CHAMBER AARTISTS würden forcieren.
Ob in Mendelssohns Violinkonzert d-Moll, Karl Amadeus Hartmanns Concerto funèbre oder im Rondo A-Dur D 438 von Franz Schubert: Die Interpreten zelebrieren in einer hoch engagierten Musizierhaltung eine gestalterische Leichtigkeit, eine so unaufdringliche und uneitle Kunst, wie sie mir bisher selten begegnet ist. Dass sie dabei auf Augenhöhe musizieren, ist für mich weniger bemerkenswert, als vielmehr der Umstand, dass sich Sebastian Bohren nicht als der außenstehende Solist, sondern – so mein Höreindruck – eher als ein sich in den Gesamtklang integrierendes Ensemblemitglied versteht. Und dass die eingespielten Werke nicht nur Sebastian Bohren eine „Herzensangelegenheit“ sind, wie er im CD-Booklet schreibt, sondern auch schon lange auf der Wunschliste des Ensembles CHAARTS zu stehen scheinen.
Mendelssohns d-Moll-Konzert ist nicht auf Schönklang getrimmt; hörbar historisch informiert setzen die Beteiligten auf Emphase und tauchen sehr beredt in die unterschiedlichen Affekte ein. Dazu kommt eine unbefangen und sich gegenseitig inspirierend wirkende Musizierlust. Sebastian Bohren singt dabei auf seiner Stradivari King George 1710 mit einem wundervollen, aber niemals aufgesetzt wirkenden Ton, vor allem aber mit einer entwaffnenden Natürlichkeit, von der man sich geradezu umarmt fühlt. Das gilt gleichermaßen für die entspannte Wiedergabe des folkloristisch angehauchten Schubert-Rondos.
Bis hierher könnte bei den Lesern vielleicht der Eindruck entstehen, als mangele es bei aller Natürlichkeit und gestalterischen Mühelosigkeit an interpretatorischer Tiefe. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich wollte mir diesen Punkt einfach für Hartmanns Concerto funèbre aufsparen, diesem exzessiven Meisterwerk der klassischen Moderne, dessen düstere Atmosphäre, gepaart mit weiten Kantilenen und einer so eloquenten Grundhaltung für sich allein schon ein enormes Spannungspotenzial birgt. Was darüber hinaus wirklich unter die Haut geht, ist Sebastian Bohrens feinsinniges Modellieren des Tons und die Subtilität seiner klanglichen und dynamischen Abstufungen. Auch in der pulsierenden Herangehensweise des klanglich hervorragend disponierten Ensembles CHAARTS geschieht nichts nur beiläufig. Hier wird keine Trauermusik präsentiert; man hört, wie die Beteiligten diese Musik für sich entdecken bzw. erspüren. Und das Ergebnis ist eine interpretatorische Tiefe, die elektrisierender kaum sein könnte.
Geschmeidig und pointiert geht es schließlich in Ottorino Respighis Suite Nr. 3 seiner Antiche danze ed arie zu. Wie die CHAARTS CHAMBER AARTISTS diese raffinierten Bearbeitungen von Lauten-Sätzen aus dem italienischen Frühbarock ungehindert dahinströmen lassen, ihnen nichts Exzentrisches aufzwingen und gleichzeitig eine faszinierende klangliche Variabilität an den Tag legen, ist ein Genuss – und die ganze CD ein wahrer Ohrenschmaus. Christof Jetzschke

Sebastian Bohren / CHAARTS Chamber Artists
CD-Trailer

(April 2015)

Reviews
Das Orchester, January 2017
Auch beim zweiten Werk dieser CD, Robert Schumanns Fantasie für Violine und Orchester, überzeugt der Solist Sebastian Bohren mit seinem klangschönen und sensiblen Spiel. Chaarts begleitet feinfühlig und aufmerksam. ... Die Interpreten zeigen eindrücklich, dass das Werk zu Recht eine besondere Anerkennung verdient. ... Man darf gespannt sein, welche Projekte in Zukunft von diesem Ensemble kommen werden.

Pizzicato, January 2017
von Remy Franck. Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren (*1987) und die ohne Dirigent auftretenden ‘Chamber Aartists’, kurz CHAARTS (aus dem Aargau) spielen Beethovens Violinkonzert schwungvoll und gleichzeitig mit satten Akzenten, wobei der Geiger eigentlich sehr sanft und elegant durch die Musik kurvt. Hin und wieder ist das Orchester sogar etwas laut für sein feines Musizieren, aber anderseits ist der Kontrast auch recht spannend. Jedenfalls herrscht eine große Frische im ersten wie auch im letzten Satz, während der langsame Satz hinreißend elegisch erklingt und zum Finale hin eine große Spannung aufbaut. Auch das Orchester lässt hier mit viel Gestaltungskraft aufhorchen.
Kombiniert wurde das Beethoven-Konzert mit der Fantasie op. 131 von Robert Schumann, deren leidenschaftliche Musik von Sebastian Bohren mit viel Dramatik und Elan gespielt wird. Seine Geige wird vom Orchester in ein reliefstarkes Klangbild gebettet.
Nach so viel Symphonik sorgt das Nonett von Jean Françaix, das dieser aus Mozarts Quintett KV. 452 arrangiert hat, für einen klanglich facettenreichen kammermusikalischen Schluss.

Klassik Heute, October 2016
Beethovens Violinkonzert sei für ihn wie ein Mount Everest, bekundet der schweizerische Violinist Sebastian Bohren, der im nächsten Jahr seinen 30. Geburtstag feiert und der schon jetzt fast alles in seiner internationalen Solistenkarriere erreicht hat. Bohren, der profilierte geigerische „Kaderschmieden“ wie etwa die eines Zakhar Bron durchlaufen hat und auf den schon Heinrich Schiff aufmerksam wurde, ist neben seinen vielen solistischen Bravourleistungen auch Bestandteil eines bemerkenswerten Schweizer Musikerkollektivs, der Chaarts Chamber Artists. International tonangebende Spieler verschreiben sich dem Ziel, Musik zur verbindenden gemeinsamen Erfahrung werden zu lassen. Dabei geht es „um Konsens und eben nicht um Kompromiss“, wie Sebatian Bohren selbst im Booklet schreibt.
Schon die ersten Wendungen des Orchesters beim Beethoven-Konzert zeigen, dass hier der unkonventionelle, aber stets unprätentiöse Blickwínkel gefragt ist. Da werden verblüffende Details an die Oberfläche geholt, was Beethovens Tonsprache ganz besonders nonkonformistisch erscheinen lässt - seien es die pochenden Pauken, die die markanten Viertelschläge des Themas akzentuieren oder vereinzelt aufblitzende, regelrecht moderne Dissonanz-Harmonien. Auch sie rütteln wach für die zeitlos frischen musikalischen Energien dieser Komposition, welche Sebastian Bohren beflügeln, diesem Giganten gerecht zu werden.
Schwindelerregend leichtfüßig vollzieht sich seine Interpretation – und da sind wir schon bei den geigerischen Meriten Bohrens. Seine Tongebung leuchtet und strahlt in allen Facetten, verfügt dabei aber stets über luftige Schlankheit. Faszinierende filigrane Beweglichkeit macht auch die vertracktesten Tongriffe plastisch durchdringbar, als wäre es das Selbstverständlichste.
Die drei Sätze des Konzerts kommen der Philosophie des künstlerischen Miteinanders sehr entgegen: Zwar tritt die Violine nach einer orchestralen Introduktion durch Bohrens Spiel überaus charismatisch ins Rampenlicht, jedoch sind Soloinstrument und Orchestersatz im folgenden zu einem komplexen sinfonischen Gesamtgefüge verwoben. Beständige Dur- und Moll-Kontraste sorgen für ein subtiles emotionales Wechselbad als Dauerzustand. Ein tief verinnerlichtes Larghetto legt eigene persönliche Bezüge zu diesem Meisterwerk offen, und ein frischerer musikalischer Weckruf, als der dritte Rondo-Satz dieses Konzertes wäre wohl kaum denkbar.
Wie setzt man nach einem solchen Gipfelwerk das Programm fort? Robert Schumanns Fantasie für Violine und Orchester op. 131 schöpft – aus dem Geist der Romantik - einmal mehr die Bandbreite zwischen subtiler Empfindung und kühner Virtuosität aus. Das Finale markiert dann – nun wieder in drei Sätzen - umso konsequenter den Kollektivgedanken der Chaarts Chamber Artists: Sebastian Bohrens Violine wird zum kammermusikalisch-gleichberechtigten Teil in einem Quintett, das Mozart schrieb und von Jean Françaix zum Nonett erweitet wurde. Kein Zufall: Jean Françaixs Vorliebe für melodisches Raffinement zeugt von Seelenverwandtschaft zum früheren Vorbild aus der Wiener Klassik. Hinzu tritt eine typisch französische Klangsinnlichkeit aus dem Geist des 20. Jahrhunderts. Bohrens eloquentes und in allen denkbaren Kontexten wiedererkennbares Violinspiel bereichert eine gemeinsame Konversation voller Esprit und Farbenreichtum.
Stefan Pieper [06.10.2016]

Gramophone, September 2016
It may seem brave (or perhaps foolhardy) for a relatively new ensemble and a youngish soloist/director – Sebastian Bohren (b1987) – to launch themselves into the world with a recording of Beethoven’s Violin Concerto. Nevertheless, that’s what the CHAARTS Chamber Artists have done. Full marks for ambition. And as these musicians are plucked from the Mahler Chamber Orchestra and inspired by the Lucerne Festival Orchestra (both projects of Claudio Abbado), they will have learnt a few things along the way. So what if they miss the gravitas of the epic first movement or the meditative stillness of the Larghetto? They make up for it in clarity, perfect ensemble born of close listening, and palpable dedication to the music. The Rondo finale might be the most successful movement, with the lighter forces contributing to its easy-going progress.

Bohren presents an admirable take on Schumann’s Phantasie too: cooler and more of a piece than Patricia Kopatchinskaja’s molten approach on her recent recording (Audite, 5/16) – but then, he’s clearly a very different sort of violinist. This Phantasie hangs together as it should and comes over less episodically than it often does.

The disc closes with Mozart reimagined by Jean Françaix. The Quintet for piano and winds is such a perfect and unusual piece in its uniquely pungent scoring – at least until Beethoven tried his hand at it – that one wonders why the Frenchman felt the need. Still, there it is, and it’s hard to fault this loving performance of such a loveable work. The disc is called ‘Equal’ and, all being so, comes as a distinctive calling card for an ensemble it may well prove worth following.

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Fine Music, August 2016
This version of Beethoven's Violin Concerto is very recommendable. Sebastian Bohren's performance is very classical; his tone is more French in Style than the often heard thicker Russian style. He phrases elegantly and coaxes a beautiful tone from his instrument. His soft, pure phrasing is very welcome in the quieter passages. The orchestra (apparently conducted by Bohren as no other conductor is mentioned) plays beautifully and the balance between the soloist and the orchestra is good. Not so much can be said for the other items on this disc. Schumann's Fantasia, written at the request if the famous violinist Joachim, dates from a time in his career when inspiration was at a low ebb. It has some moments of beauty and interest but is one of the world's justly neglected scores. Bohren and the orchestra do all they can to recommend the work, but it fails to make much of an impression....

Fono Forum, August 2016
Viele Solisten halten das Beethoven-Konzert für das schwierigste Violinkonzert überhaupt. Intonation, Spannungsverlauf, Architektur und nicht zuletzt die Verzahnung mit dem Orchester glücklich in den Griff zu bekommen, ist eine Herkulesaufgabe. Und gibt es überhaupt noch Neues zu sagen zu diesem Werk? Der 1987 in Winterthur geborene Sebastian Bohren, Schüler u.a. von Zakhar Bron, Ingolf Turban und Ana Chumachenco, scheint die Aufführungstradition in keiner Weise als belastend zu empfinden. Er gestaltet mit leichter Hand und feingesponnenem Ton, mühelos, ohne etwas zu forcieren, dabei auch weitsichtig und strukturbewusst. Den zweiten Satz nimmt er, entgegen dem heutigen Trend, sehr langsam, aber ganz leicht und ohne weihevolles Pathos. Die Atmosphäre ist hier, bei weit gedehntem Spannungsverlauf, eher einem meditativen Zustand vergleichbar. Das ist schon riskant, denn beim Eingang ins Rondo-Finale herrscht fast Stillstand. Aber dann federt es wieder leicht und behende los, die Vortragsbezeichnung „delicamente“ wird dabei sehr treffend umgesetzt. Und immer sind die Chaarts Chamber Aartists hellwach mit dabei. Die tonliche Variabilität des klein besetzten Orchesters, das „historisierend“ sparsam mit Vibrato umgeht, ist enorm, manchmal meint man ein Gambenensemble zu hören. Die Kopplung des Beethoven-Konzerts mit der selten gespielten Violinfantasie von Robert Schumann ist ungewöhnlich, aber durchaus reizvoll. Klassisches Ebenmass trifft auf eine Welt verschlungener Emotionen. Bohren bewegt sich feinsinnig darin. Im Nonett, das Jean Francaix nach Mozarts Quintett für Bläser und Klavier KV 452 einrichtete, haben dann die Chaarts noch einmal einen grossen Auftritt und demonstrieren ihre Klasse. Norbert Hornig

The Strad, August 2016
On this, his debut recording, the German violinist Sebastian Bohren brings out the feeling of even-tempered serenity that still distinguishes Beethoven’s Concerto. Bohren’s playing is classically contained, though coloured by a wider vibrato than the period-flavour unconducted chamber orchestra behind him. I miss a precisely gauged sense of scale to this most expansive of violin concertos: the peaks of the huge opening Allegro are all much the same height, and few depths are plumbed by the G minor meditation at the heart of the movement or the sweetly sung if not infallibly tuned Larghetto.

The performance really takes off in the finale, with levels of adrenalin carried through to the Schumann Phantasie, which is enjoying a welcome renaissance on disc. Here the absence of a directorial guiding hand is less keenly felt, and Bohren uncovers a more playful, less neurotic side to this late work than Thomas Zehetmair or Patricia Kopatchinskaja (both reviewed in the June issue). He leaves the stage to the Chaarts Chamber Artists for Jean Françaix’s nonet arrangement of Mozart’s K452 Quintet. This is a real charmer, done with graceful phrasing, sensuously blended tone and plenty of individual ideas that bloom in the airy acoustic of a Swiss radio recording.

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Concerti, July 2016
Intensiver Hörgenuss

Sebastian Bohren und CHAARTS zaubern ein Klangerlebnis, in das man am liebsten versinken möchte

von Julia Bleibler

Ein Beethoven, der durch Qualität überzeugt! Denn bei Sebastian Bohren steht allein die Musik im Zentrum. So verzichtet der Schweizer Geiger auf jeglichen Schnickschnack wie übertriebene Tempi oder selbstdarstellerische Radikalität. Vielmehr begreift er Beethovens Werk als Quelle des gemeinsamen Musizierens. Mit den CHAARTS Chamber Artists hat er dafür den idealen Partner gefunden: Frisch gesetzte Töne, intensiv und wachsam interpretiert. Besonders der zweiten Satz verschmilzt zu einem Klangerlebnis, in das man am liebsten versinken möchte. Auch Schumanns immer noch selten gespielte Fantasie leuchtet mit neuer Strahlkraft. Vervollkommnet wird die gelungene Zusammenstellung durch Françaix’ Nonett. Das bearbeitete Quintett von Mozart gelingt hier zu einem Meisterstück der Kammermusik, bei dem die hervorragend aufeinander abgestimmten Musiker einen kammermusikalischen Hörgenuss mit sinfonischen Anklängen zaubern.

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MDR Kultur, July 2016
Im Prinzip gibt es kaum Gründe, dem opulenten Katalog mit Aufnahmen des Beethoven'schen Violinkonzerts op. 61 eine weitere hinzuzufügen. So lässt es durchaus aufmerken, wenn ein junger Schweizer Geiger die Herausforderung einer neuen Exegese annimmt. Tatsächlich unterscheidet sich Sebastian Bohrens Lesart des Konzertes deutlich von anderen.
Das liegt zum einen an dessen uneitler, nicht auf virtuoses Auftrumpfen und exzentrische Volte konzentrierten Spiels, zum anderen am klein besetzten Begleitensemble: Die ohne Dirigenten agierenden "Chaarts Chamber Artists" versammeln ehemalige Mitglieder des "Gustav Mahler Youth Orchestra" und anderer renommierter Orchester und Kammer-Formationen. Entsprechend nuancenreich und detailverliebt präsentiert sich das Resultat.

Beethovens Meisterwerk wird gelesen aus der Perspektive der Kammermusik. Entschlackt, fast "historisch-informiert" im Klang und doch dem Farbreichtum der Vorlage zugewandt, zelebrieren zwei Dutzend Musiker einen eher zurückgenommenen, von Extremen befreiten Beethoven. Die Passion von Solist und Ensemble gilt Intimität, Intensität und der Tiefenauslotung des Notentextes. Insofern ist diese weitere Annäherung an Beethovens Werk – gegen anfängliche Zweifel – mehr als willkommen.

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Tagesspiegel, July 2016
Beethovens Violinkonzert gilt als der Gipfel - und manchen Interpretationen hört man die Mühen des Aufstiegs auch an. Der junge Schweizer Sebastian Bohren kennt die Berge und macht es anders: fabelhaft beiläufig, mit feinem, frechen Strich, fast kumpelhaft.

Journal Frankfurt , July 2016
"Das ist ein Album, das in zweifacher Hinsicht aufhorchen lässt: Zum einen spielt hier ein junger 1987 erst geborener Geiger mit Beethoven eines der größten und interpretatorisch schwierigsten Violinkonzerte der Literatur, zum anderen macht er dies ohne Dirigenten. Denn als Orchester hat sich Sebastian Bohren die Chaarts Chamber Artists ausgesucht, die traditionell Musizieren als gemeinsamen Akt sehen. "Den wenigsten Dirigenten ist es möglich, von sich als Person abzusehen, sich nur als Coach oder Trainer zu verstehen, welcher im Konzert ebenso wenig auftaucht wie ein Fussballtrainer im tatsächlichen Spiel", begründete Orchestermitglied Andreas Fleck einmal die Entscheidung. Und tatsächlich: Selten hört man diese Ikone derart spontan, emotional und jung wie hier. Keine Spur von jener Erhabenheit, wie sie etwa Masur pflegte, kein klanglicher Monumantalbau im Stile eines Karajan. Auch so kann das Beethoven-Violinkonzert also klingen." (Journal Frankfurt Nr.13/2016)

Classicalear.co.uk, June 2016
The young Swiss violinist Sebastian Bohren gives a distinctive reading of the Beethoven Violin Concerto. He is expressive, but not overly opulent, with disciplined phrasing and a clear sense of direction.

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NDR Rundfunk, June 2016
Die Suche nach perfekten Harmonien

Vorgestellt von Chantal Nastasi

Sebastian Bohren ist ein junger Nachwuchsgeiger aus der Schweiz, der vor allem dort und im süddeutschen Raum viel konzertiert und sich etabliert hat, aber auch als Mitglied des Stradivari Quartetts erfolgreiche Tourneen rund um den Globus macht. Der 29-Jährige lässt auch mit seiner neuen CD aufhorchen: Sie heißt "Equal", und darauf zu hören sind Werke von Beethoven, Schumann und Françaix, die Bohren gemeinsam mit einem Schweizer Kammerorchester, den Chaarts Chamber Artists, aufgenommen hat.

Eine konzentrierte, dichte Einspielung mit viel Energie

Das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven zählt zu den Mount Everests der Geigenliteratur. Als sich Sebastian Bohren vor zwei Jahren entschied, eine CD mit den Chaarts Chamber Artists aufzunehmen, war ihnen allen schnell klar, dass dieses Werk eine zentrale Rolle auf der gemeinsamen CD spielen sollte.

Bohren und die rund zwei Dutzend Kammermusiker quartierten sich in einem ehemaligen Kloster ein, das heute als Musikerhotel mit hervorragenden Akustikräumen betrieben wird. Dort entstand eine sehr konzentrierte und dichte Einspielung: in engem Miteinander, sehr fokussiert und vor allem jeder mit einer wichtigen Stimme für den Gesamtklang.

Viel Energie geht von diesem Miteinander aus: Musizieren auf der vordersten Stuhlkante und doch wird Beethovens Tempoangabe "allegro ma non troppo" (schnell, aber nicht zu schnell) wörtlicher genommen als von manch anderem Orchester. Der langsame Satz besticht durch Intensität und Bedachtsamkeit, keiner spielt sich durch Sologänge in den Vordergrund.

Ein phänomenaler junger Geiger

Eine starke Sogwirkung geht von dieser Art des Musikmachens aus, von der Suche nach den perfekten Zusammenklängen, der Balance und dem adäquaten Ausdruck, die man als Zuhörer bei jedem Ton wahrnimmt. Auch in der Schumann-Fantasie für Violine und Orchester C-Dur hört man deutlich heraus, wie kammermusikalisch Bohren gestaltet, wenn er immer wieder seinen strahlenden, aber nie kitschig-brillanten Geigenton in den Klang des Orchesters bettet.

Als drittes und letztes Werk hat Bohren ein nicht ganz alltägliches ausgesucht: das Klavierbläserquintett von Wolfgang Amadeus Mozart in einer Bearbeitung für neun Stimmen von Jean Françaix. Die Bläserstimmen hat Françaix beibehalten, den Klavierpart hat er auf ein Streichquartett plus Kontrabass übertragen. Ein klanglich reizvolles Stück, bei dem Bohren sich nun mit seinen zuvor begleitenden Kammermusikern zusammentut. Doch was genau bedeutet schon "begleiten", wenn so intensiv zusammen Musik gemacht wird: Dass diese CD den Titel "Equal" (gleichberechtigt) trägt, ist sicher kein Zufall. Ein tolles Kammerensemble und ein interpretatorisch und klanglich phänomenaler junger Geiger - von beiden wünscht man sich in Zukunft mehr zu hören!

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The Guardian, May 2016
Youth to the fore here, with the stylish Sebastian Bohren giving a silky account of Beethoven’s Violin Concerto, accompanied by the conductorless Chaarts Chamber Artists, founded by former members of the Gustav Mahler Youth Orchestra in 2010 and since embellished by instrumentalists from leading orchestras and chamber ensembles. Their deliciously forthright reading of the Beethoven makes the Schumann Phantasie for violin and orchestra in C Major feel a bit thin in comparison, but Bohren and the players sparkle in Jean Jean Françaix’s Nonetto from 1995, an arrangement of Mozart’s E flat major quintet, K452. Françaix takes the piano part and redistributes it for string quartet and double bass, while retaining the wind parts of the original. The result is refreshingly rich in colour and nuance. Recommended.

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Schweiz am Sonntag, May 2016
Sebastian Bohren misst sich an Beethoven

Die ersten Takte der Pauke sind derart leise, dass man versucht ist, die Lautsprecherboxen zu überprüfen. Was ist falsch? Nichts. Nur, um das zu merken, muss man sich bedingungslos einlassen auf das, was – anders als so oft gehört – aus den Boxen dringt: Beethovens Violinkonzert. Unzählige Geiger haben sich an der grossformatigen Komposition versucht. Dass es für den international immer mehr reüssierenden Aargauer Geiger Sebastian Bohren (28) Beethoven sein musste, entspringt nicht der Selbstüberschätzung. Im Gegenteil: Er ist selbstkritisch genug, um seine Sicht auf das Werk als Momentaufnahme zur Diskussion zu stellen. Nicht der kraftvolle Zugriff ist Bohrens Sache, sondern das zarte Ausspinnen der Kantilenen bei massvollem Vibrato. Bisweilen kommt die Musik etwas ins Stocken. Aber das ist letztlich Beckmesserei, man lauscht gebannt, wie Bohren Beethoven entdeckt: Nicht als solistischer Triumphator, sondern als Primus inter Pares der knapp über 20 Musiker zählenden Chaarts Chamber Artists, die sich hörbar an der historisch infor- mierten Aufführungspraxis orientieren. Kurz: Bohrens Einstand beim renommierten Label RCA ist geglückt, zumal die CD «equal» – neben dem Beethoven-Kon- zert – noch mit erlesenen Kompositionen von Schumann und Mozart/Françaix aufwartet. ELISABETH FELLER

Nur Digital via iTunes/Spotify erhältlich
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(December 2017)

Reviews
Pizzicato, March 2018
1997 beendete Peteris Vasks das Konzert ‘Tala gaisma’ (Fernes Licht) mit seinen stark kontrastierenden Episoden, die teilweise von der lettischen Volksmusik geprägt sind. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen von 1991 und der Wiederbegegnung mit dem Jugendfreund Gidon Kremer verarbeitete Vasks in diesem Werk eine Reihe von Kindheitssplittern, dann die Trennung und schließlich das Wiederfinden. Vasks hatte Kremers Buch ‘Kindheitssplitter’ gelesen und sagte: « … wir haben uns erst jetzt in Musik richtig getroffen. Fernes Licht ist Nostalgie mit einem Anflug von Tragik. Kindheitserinnerungen, aber auch funkelnde Sterne Millionen von Lichtjahren entfernt.“

Das äußert sich in sehr gegensätzlichen, aufgewühlten und hoch emotionalen Klängen zwischen Trostlosigkeit und Hoffnung.

Diese 30 Minuten lange Gefühlsmusik wird von der dem ‘Georgischen Kammerorchester’ und dem Violinisten Sebastian Bohren mit großer Intensität und viel Klangphantasie dargeboten.

Über die Fantasie ‘Vox Amoris’ (2009) sagt der Komponist: « Es geht um die größte Kraft in der Welt – die Liebe. Ich hoffe, dass dieses Stück die Hörer erreicht und die Welt ein wenig freundlicher und offener für die Liebe macht.“ Die Violine, die « Stimme der Liebe », konfrontiert den Hörer mit unterschiedlichen Empfindungen, von zarten und schönen Momenten bis hin zu tiefer Leidenschaft. Sebastian Bohren spielt sie mit streckenweise sehrender Süße, an anderen Stellen sehr dezidiert und leidenschaftlich.

Giya Kanchelis ‘Chiaroscuro’ ist als Stück kontrastreicher, gleichzeitig aber auch nicht besonders kohärent und vielleicht etwas zu effekthascherisch. Sebastian Bohren versucht das mit Stimmungsdichte aufzufangen, aber die 23 Minuten sind am Ende doch ziemlich lang. Das Schöne ist, das man bei Digitalveröffentlichen ja nur das zu kaufen braucht, was einem gefällt….

"The Georgian Chamber Orchestra and Sebastian Bohren play violin concertos by Vasks and Kancheli with much intensity, passion and imagination."

The New Listener, February 2018
Hauchzarte, sphärische Flagoletts in höchster Tonhöhe stehen am Anfang von „Distant Light“, jenem 1997 von P?teris Vasks geschaffenen Stück für Solovioline und Orchester. Auch wenn sein Schöpfer, der 1946 in Lettland geborene Komponist es als Solokonzert bezeichnet – ist es nicht doch eher ein Rezitativ? Oder eine Meditation? Als Bekenntnis zur Humanität will es sein Schöpfer allemal verstanden wissen – ebenso wie das im Jahr 2006 uraufgeführte, ebenfalls einsätzige Stück „Vox amoris“. Der junge schweizerische Geiger Sebastian Bohren geht in einer neuen Aufnahme der spirituell-meditativen Botschaft dieser Stücke auf den Grund – und konnte sich dabei auf das Georgische Kammerorchester Ingolstadt sowie auf die Chaarts Chamber Artists bestens verlassen!

„Vox Amoris“ und „Distant Light“ treffen einen Nerv – und sind daher seit ihrer Entstehung bei Publikum und Interpreten viel gefragt. Im Vergleich mit anderen, bereits vorhandenen und – nicht weniger gehaltvollen – Deutungen gelingt es Sebastian Bohren, hier weitere, bereichernde Perspektive aufzuzeigen.

Wo manche das Melos in romantisierender Klanglichkeit verdichten und andere den tragischen Gestus durch betont dunkle Färbungen und eine gewisse „drängende“ Tongebung auf der Violine hervorheben, da lässt Sebastian Bohrens Spiel deutlich mehr Luft zum Atmen, was den expansiven Linien in diesen Stücken extrem zugute kommt. Weit öffnen sich hier Klanglandschaften, in denen sich Expression und Emphase ganz wie von selbst entwickeln. Vasks Tonsprache übt sich ohnehin in einer klugen Ökonomie, was die Melodik oft eingängig und durchaus auch mal etwas cineastisch wirken lässt. Wer hier feinfühlig hineinhört, kann sehr viel unmittelbaren, oft zart berührenden Ausdruck hervorbringen. Diesem Ideal kommt Sebastian Bohrens Spiel auf der Violine bestens nahe. Er macht nie zu viel Druck auf den Seiten. Der Ton funkelt und strahlt in allen Registern. Klug ist der Einsatz von oft sehr reduziertem, dann wieder ruhig pulsierendem und vor allem nie nervös wirkendem Vibrato. Und genau dieser Sinn für sensibles Maß geht im besten Sinne auf die beiden Orchester über.

„Distant Light“ ist das extrovertierte, dramatischere Stücke von beiden. Auf die elegische Einleitung folgt ein rhythmisch bewegter Mittelteil, der dramatische Eruptionen bis hin zu clusterhaften Verdichtungen freisetzt. In den kolossalen Solokadenzen lebt eine klare, aufgeräumte Rhetorik, dass es nie zur circensischen Demonstration von Virtuosität ausartet. Am Ende steigt die Melodie wieder in den Himmel hinauf – durch ähnliche Flagoletts ganz hoch oben wie am Anfang. Das Licht, was hier leuchtet, blendet nie!

„Vox Amoris“ ist eine Hymne des lettischen Komponisten auf die Liebe. Es folgt einer ähnlichen Dramaturgie, aber mit weniger stark auftrumpfender Geste. Wärmende Emotionalität ist hier alles. Hier wird Bohren Spiel eins mit den Chaarts Chamber Artists, mit denen er schon seit Jahren produktiv zusammenarbeitet – und die in der vorliegenden Aufnahme mit entsprechend intuitiven Gespür auf jede noch so feine Regung der Solovioline reagieren! Zu „Vox Amoris“ hat Sebastian Bohren übrigens eine besondere Beziehung, da er sich schon zu Beginn seiner Karriere intensiv mit diesem Werk auseinander gesetzt hatte.

Und da aller guten Dinge drei sind, wurde dieser Aufnahme noch eine sinnvolle Ergänzung hinzugefügt – nämlich das in einer fast seelenverwandten Ausdruckswelt daherkommende Stück „Chiaroscuro“ von Gya Kancheli. Hier wird der Hörer wieder in eine stärker expandierende Dramatik hinein gezogen. Auch hier erhebt sich Bohrens selbstbewusstes Spiel wie ein Monolog, der sich und niemandem mehr zu beweisen braucht. Die Steigerung mitten im Stück ist die wuchtigste, heftigste von allen dreien, erzeugt durch ein perkussives Gewitter der Schlaginstrumente und eine temporären Sprengung jeder Tonalität.

Fazit: Sebastian Bohren und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt sowie die Chaarts Chamber Artists demonstrieren anhand der unkonventionellen Musik von Peteris Vasks und Gya Kancheli einen hellsichtigen Weg, um über jede formalisierte Solokonzert-Konvention hinaus zu wachsen. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass hier bewusst auf einen Dirigenten verzichtet wurde. So wird das Orchester zur konzentrischen Umgebung für einen jungen Ausnahme-Solisten.

Die Steigerung wäre jetzt noch, diese Konstellation in einer Surround-Aufnahme noch plastischer erfahrbar zu machen.

Feuilletonscout.com, January 2018
Eine Oase der inneren Ruhe

Von Izidor Mendas

Stellen Sie sich eine unberührte Landschaft vor, irgendwo im Norden. Kristallklare Luft, endlose Wälder, stille Seen, ein breiter Horizont: nichts stört das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Dann hören Sie plötzlich einen Ton, wie aus dem Nichts entsprungen, der schließlich in eine Melodie im völligen Einklang mit Naturgewalten einmündet. Dieses Gedankenbild wäre eine treffende Einleitung zur neusten Aufnahme Distant Lights des schweizerischen Ausnahmegeigers Sebastian Bohren bei Sony Classical. Auf dem Programm stehen drei musikalische Juwelen für Violine und Kammerorchester: Distant Light und Vox Amoris des lettischen Komponisten Peteris Vasks (1964-) sowie Chiaroscuro des Georgiers Giya Kancheli/Gija Kantscheli (1935-). Es besteht kein Zweifel, beim Geigenspiel von Sebastian Bohren trifft hohes Talent auf Virtuosität und außerordentliche Musikalität. Man könnte behaupten, er „beherrscht“ sein Instrument, damit wäre der ganzen Wahrheit aber nicht genuggetan: vielmehr bleibt er „mit“ seiner Geige, schließlich eine Stradivari, in einem intimen, immer spannenden Dialog.

Das Programm ist originell und homogen aufgebaut, eine Empfehlung auch für diejenigen, die auf die Musik zeitgenössischer Komponisten lieber verzichten. Es geht nicht um Klangexperimente oder Sprengung von Tonalitäten, sondern um die Entdeckung neuer musikalischen Landschaften, in die der Zuhörer dank Bohren gleich nach den ersten Takten entführt wird, sodass sie uns am Ende sogar vertraut vorkommen. Die Musik wird aus der Stille geboren, entwickelt sich wellenartig zu einem oder mehreren Gipfeln und kehrt schließlich ins Schweigen zurück, wobei die Expression ständig Vorrang vor formellen Elementen bewahrt. Diese Dynamik wird von Bohren sehr gut gefasst und dargestellt. Schon aus diesem Grund ist diese CD-Aufnahme eine Meisterleistung. Es verdient besondere Erwähnung, dass es sich dabei um Live-Mitschnitte handelt, die ausschließlich als Download veröffentlicht wurden.

Der lettische Komponist P?teris Vasks (1964), der in einem Atemzug mit Arvo Pärt als einer der Epigonen der zeitgenössischen Musik genannt zu werden gehört, erweist sich mit seiner musikalischen Sprache als ein würdiger Nachfahre Lutoslawskis, Goreckis und Pendereckis. Ihm geht es vor allem ums Mitteilen: jeder soll an seiner musikalischen Agape teilnehmen und somit zumindest in der Musik die Harmonie mit der Natur und sich selbst erleben. Vox Amoris für Violine und Streichorchester (2009) ist ein ausgeprägt melodisches, expressives Stück, dessen freier Aufbau eine organische Formentwicklung ermöglicht. Das Werk begleitet Bohren schon seit vielen Jahren und diese Vertrautheit mit dem Material ermöglicht ihm beim Musizieren ein natürliches Ein- und Ausatmen. Diese Reife kommt wegen seiner langen kammermusikalischen Laufbahn noch überzeugender zum Ausdruck. Vom leisen Tremolo spaltet sich die Geigenstimme ab, zuerst sucht sie scheu nach ihrem Partner, bis sie mittels einer wunderschönen zärtlichen Melodie schwerelos über der orchestralen Klangkulisse schwebt. Der instrumentale Liebesaustausch von Fragen und Antworten setzt sich bis zum Höhepunkt um die zweite Kadenz fort, als ein anderes schönes (diesmal dramatischeres) Thema den Solisten umarmt. Danach beruhigen sich die hohen Emotionen und das erste Thema erklingt noch einmal, bevor sich die Musik nicht ohne Zögern ins Nichts/in die Stille verflüchtigt. Heller, weicher und frischer Geigenklang von Bohren formt mit dem Orchester eine farbprächtige Tapisserie, die vor allem durch Unmittelbarkeit des künstlerischen Ausdrucks überzeugt.

Distant Light (T?l? Gaisma, 1997) ist um eine Schattierung dunkler und das Licht, weit in der Ferne schimmernd, wird nie völlig verinnerlicht. Die Merkmale des klassischen Violinkonzerts sind deutlicher und das musikalische Gespräch zwischen dem Solisten und Orchester wird gelegentlich zu einer Auseinandersetzung. Mit jeder von drei Kadenzen wird die Musik anspruchsvoller. Cantabile Passagen werden von rhythmisierten Motive (mosso) verdrängt, so entsteht ein volkstümlich anmutender Tanz, die Atmosphäre wird aufgeregter, emphatischer, auch das lyrische Intermezzo vor der dritten Kadenz des Teufelsgeigers, kann daran nichts mehr ändern. In diesen dramatischen Momenten stehen wir plötzlich dem Schatten Schostakowitschs sehr nahe. Bei Kadenzen stellt Bohren sein technisches Können eindrucksvoll unter Beweis. Nach dem wuchtigen Gipfel werden aus der Asche nach und nach neue Lichtstrahlen entstehen, mit einer sanften Melancholie versetzt. Der Flageoletton am Ende wird die Zerbrechlichkeit des Lichts nur noch unterstreichen. Entweder energisch oder subtil, Bohren sorgt immer für ein einheitliches Kompositionsbild, obwohl sich dabei die Frage stellt, ob er die Freiräume für Intensität oder sogar Pathos, die ihm Vasks zur Verfügung stellt, wirklich völlig ausnutzt/erschöpft. Der Solist wird in diesem Stück vom Georgischen Kammerorchester Ingolstadt begleitet, wobei bei Vox Amoris und Charoscuro diese Rolle von CHAARTS Chamber Artists übernehmen wird.

Der Klangteppich des jeweiligen Orchesters wirkt solide und bietet zuverlässige Unterstützung, damit die fließende Bewegung immer bewahrt bleibt. Das Zusammenspiel wird präzise abgestimmt, man würde sich an manchen Stellen jedoch wünschen, dass die Ausgewogenheit zwischen dem Solisten und Orchester besser gestaltet würde, die Solovioline überschattet nämlich tontechnisch den Orchesterklang auch wo das nicht notwendig ist. Matte Nebelstimmungen und lyrische Reisen werden im Allgemeinen klanglich besser als energische Ausbrüche bei/in tutti wiedergegeben. Wichtiger aber ist, dass Vasks melodische Linien mit Bohren ihre singende Qualität (bei)behalten. Es handelt sich um eine äußert gelungene Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten und Interpreten, dass die Erschwinglichkeit des protestantischen Chorals mit höchst persönlichen Seelenzuständen vervollständigt. Schwingt freudig euch empor!

Der georgische Komponist Giya Kancheli teilt diese hoffnungsgeladene Weltanschauung mit Vasks nicht. Sein eher düsteres Werk Chiaroscuro erinnert in gewisser Hinsicht an die Malerei der Caravaggisten: aus dem dunklen Hintergrund treten Lichtgestalten aus, obwohl nur für kurze Zeit. Man steht vor einem musikalischen Drehbuch zu einem unbekannten Film. Die Geige will sich von beängstigt oszillierenden Kleinintervallen hinweg in die Breite und Höhe befreien und ähnelt einem süß-traurigen Vogelgesang, der immer wieder vom Orchester mit kaukasisch klingenden Motiven unterbrochen wird. Bohren wiedergibt diesen nächtlichen Monolog introvertiert, trauernd und feierlich zugleich. Die elegische Stimmung wird durch Trommeleingriffe bedrohlicher, das Klavier spendet ihr ab und zu Trost und die Celesta gibt ihr eine fast mystische Dimension, bis sie endgültig kurz nach der Mitte in die Wucht à la Shostakovich ausbricht. Danach wird Bohren nachdenklicher und fast versöhnte Noten anschlagen/anstimmen, oder ist es einfach die Resignation gegenüber dem Schicksal, die trotz eines letzten orchestralen Aufschreis, letztendlich ihre Gemütsruhe findet?

Obwohl es sich bei Vasks und Kancheli um zwei post-sowjetische Komponisten handelt, ist ihr Anspruch viel breiter. Es gibt eine Tendenz, die auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion entstandene Musik geographisch und gesellschaftlich stark zu kontextualisieren. Die Interpretation Bohrens beugt sich vor keinem vorgeschriebenen Schema, deswegen bleibt ihre universelle Essenz erhalten. Wenn er mit seinem Bogen imaginäre Landschaften mahlt, oder Liebesfreud, Liebesleid und Leidenschaft zum Ausdruck bringt, behält Bohren ständig die intellektuelle und emotionale Kontrolle. Er tritt als Geiger mit einer klaren Botschaft an. Diese CD-Aufnahme wirkt wie eine Oase der inneren Ruhe in der Wüste unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Wir lassen den Zeitdruck hinter uns und begeben uns in die Welt freier Gedenken, wo uns Bohren mit reinstem Genuss beglückt. Wir sind begeistert!

Orchestra di Padova e del Veneto / Luca Bizzozero

(July 2014)

Reviews
The Strad, December 2015
Sebastian Bohren seems surprisingly laid-back in his approach to Pleyel’s Violin Concerto. Nevertheless, he performs the work with style, vitality and no mean virtuosity, playing with athleticism, taste and substantial precision (although there are instances when his intonation in both the higher registers and some double-stopping is slightly off-centre). He is constantly sensitive to the work’s subtle expressive nuances, particularly in the melancholy central Adagio cantabile, in which the tone of his 1710 ‘King George’ Stradivari resonates resplendently above the orchestral texture. His cadenzas are pertinent and appropriately realised, although that for the first movement seems excessively long for the period.

Musik und Theater , November 2015
Erfrischendes Debüt

Ein junger Schweizer Geiger macht mit seiner Debüt-CD nachhaltig auf sich aufmerksam: Sebastian Bohren, Jahrgang 1987, aufgewachsen in Brugg, ausgebildet von so verschiedenen Geiger-Persönlichkeiten wie Zakhar Bron, Ingolf Turban und Ana Chumachanco. Wenn Bohren spielt hat das tatsächlich immer etwas Spielerisches. Wie er das Eröffnungssolo im D-Dur Violinkonzert von Ignaz Pleyel angeht, nimmt sofort gefangen: Staccato-Ketten haben nicht einfach eine Richtung, sondern immer mal wieder überraschende Akzentwechsel, sein Vibrato wechselt zwischen Null und Hundert, und zwar nicht dort, wo man das erwarten würde. Gleichzeitig gibt es keine Attitüde, keine „Interpretationshaltung“. Eigentlich hat man stets den Eindruck, dass dieser Geiger halt einfach jede Stelle gerade so spielt, wie sie ihm im Moment gefällt. Das hat etwas sehr Erfrischendes, und an musikalischer Substanz – jedenfalls in einem gefälligen, technisch vielseitigen Konzert wie diesem Pleyel – geht überhaupt nichts verloren. Auch im langsamen Mittelsatz überzeugt der junge Schweizer mit einem intensiven, variablen, nie protzigen, aber immer geschmackvollen Geigenklang. Reinmar Wagner

ClassicFM, August 2015
Austrian-born Ignace Joseph Pleyel was a prolific Classical era composer and piano builder, producing 41 symphonies, 70 string quartets and several string quintets and operas. He's an example of a composer who was lauded in his own time but is almost unknown today. But performers are increasingly discovering his works - which turn out simply to be charming.

Here, Pleyel's Symphony F is given a spirited and precise account by Luca Bizzozero with the Orchestra di Padova e del Veneto, based on the complement of the classic symphony orchestra.

The young Swiss violinist Sebastian Bohren joins them for Pleyel's Violin Concerto in D, delivering his part with sensitivity and expression while the orchestra packs a considerable punch.

Also included here is a spritely Symphony in G by Johann Baptist Wanhal, an equally prolific Czech composer who produced some 100 quartets, at least 73 symphonies, 95 sacred works, and a large number of instrumental and vocal works.

Well worth discovering.

REVIEWS

Neue Zürcher Zeitung NZZ, June 2018

Schostakowitsch schafft Klippen. Sebastian Bohren bewältigt sie meisterlich Die Camerata Zürich hat nicht nur originelle Programme versprochen. Sie hält sich auch daran, wie ein Konzert in der Aula der Zürcher Universität zeigt. Der Star des Abends ist ein junger Geiger. Verglichen mit diesem heiteren Frühwerk beschwört Schostakowitsch in seiner späten Violinsonate op. 134 eine düstere Welt. Das für Geige und Klavier geschriebene Werk wurde von Michail Zinman für Solovioline, Streichorchester und Schlagzeug bearbeitet. Hier schlägt nun die Stunde von Sebastian Bohren. Der 31-jährige Geiger zeigt für dieses sperrige Alterswerk eine erstaunliche Reife und eine Gestaltungskraft, die aufhorchen lässt. Der erste Satz der Violinsonate ist von Ernst und einer schwer fasslichen Disparatheit gekennzeichnet. Im zweiten Satz ist grosse Virtuosität gefordert, aber sie hat nichts Brillantes, sondern etwas sehr Verbissenes an sich. Die grösste Herausforderung stellt der dritte Satz dar; es sind Variationen über ein Passacaglia-Thema, deren Charaktervielfalt vom Spröden bis zum Grossspurigen reicht. Bohren bewältigt alle diese Klippen meisterlich, und auch das Streichorchester und der Perkussionist lassen sich von seinem Eifer anstecken.read complete text

«Schweizer Künstler und originelle Programme, die nicht von anderen Veranstaltern angeboten werden» – so charakterisierte Thomas Demenga, der künstlerische Leiter der Camerata Zürich, in einem NZZ-Interview das künstlerische Profil seines Orchesters. Auf das fünfte Konzert der laufenden Saison, die im Zeichen des sechzigjährigen Bestehens der Camerata steht, trifft diese Charakterisierung in besonderer Weise zu.

Mit dem jungen Gespann des Winterthurer Geigers Sebastian Bohren und der Zürcher Komponistin Stephanie Haensler war das Schweizerische prominent vertreten. Und die Wiedergabe zweier Werke von Dmitri Schostakowitsch, die dieser so gar nicht komponiert hat, tat dem Originalitätsanspruch mehr als Genüge.

Von Bach inspiriert

Die 24 Präludien op. 34 hat Schostakowitsch für Klavier solo geschrieben, und er lehnt sich darin deutlich an Bachs «Wohltemperiertes Klavier» an. Der Russe Grigory Korchmar hat 1990 eine Bearbeitung für Streichorchester vorgenommen. Sie schält die Eigenheiten dieser Charakterstücke vielleicht noch deutlicher heraus als die Klavierfassung. Unter der Leitung von Konzertmeister Igor Karsko interpretieren die sechzehn Musikerinnen und Musiker der Camerata nur eine Auswahl der Präludien. Da hört man einen leichten Walzer, einen rastlosen Galopp oder ein glühendes Notturno, und alles ist so profiliert gespielt, dass man Appetit auf den ganzen Zyklus bekommt.

Verglichen mit diesem heiteren Frühwerk beschwört Schostakowitsch in seiner späten Violinsonate op. 134 eine düstere Welt. Das für Geige und Klavier geschriebene Werk wurde von Michail Zinman für Solovioline, Streichorchester und Schlagzeug bearbeitet. Hier schlägt nun die Stunde von Sebastian Bohren.

Der 31-jährige Geiger zeigt für dieses sperrige Alterswerk eine erstaunliche Reife und eine Gestaltungskraft, die aufhorchen lässt. Der erste Satz der Violinsonate ist von Ernst und einer schwer fasslichen Disparatheit gekennzeichnet. Im zweiten Satz ist grosse Virtuosität gefordert, aber sie hat nichts Brillantes, sondern etwas sehr Verbissenes an sich. Die grösste Herausforderung stellt der dritte Satz dar; es sind Variationen über ein Passacaglia-Thema, deren Charaktervielfalt vom Spröden bis zum Grossspurigen reicht. Bohren bewältigt alle diese Klippen meisterlich, und auch das Streichorchester und der Perkussionist lassen sich von seinem Eifer anstecken.

Stephanie Haenslers «durch streifen» für Streichorchester dauert –das war die Vorgabe – nur fünf Minuten. Es handelt sich um ein Auftragswerk der Camerata Zürich aus Anlass ihres 60. Geburtstages. Die Uraufführung in der Aula der Universität lässt als Höreindruck eine Musik erstehen, die man als wuchernd und verschlungen charakterisieren kann. Die Komponistin erklärt den Titel ihres Stücks mit der Vorstellung eines Spazierganges durch eine Naturlandschaft. Eine dominierende Rolle nehmen drei Cellostimmen ein, die bald solistisch hervortreten, bald vom Streichertutti umfangen werden. Die Spaziergänger in der Natur?

Überraschende Paukenwirbel

Mit den drei Celli bezieht sich Haensler auch auf das zuvor erklungene Tripelkonzert des Finnen Olli Mustonen. Bei diesem Werk sind es drei Violinen, die den Solopart unter sich aufteilen. In durchaus barocker Manier wetteifern hier Sebastian Bohren, Igor Karsko und Pascal Druey in brillanter Manier miteinander. Der Komponist hat sich hörbar von Bachs Brandenburgischen Konzerten inspirieren lassen. Am weitesten von dem neobarocken Modell entfernt sich der langsame dritte Satz, dem ein immer wieder unterbrochener Streichersatz und überraschende Paukenwirbel ein originelles Gepräge geben.

Eckernförder Zeitung, May 2018

Mitgebracht hatte das Göttinger Sinfonieorchester den jungen, hochtalentierten Geiger Sebastian Bohren – er bot im ersten Teil des Abends die „Fantasie in C–Dur für Violine und Orchester op. 131“, von Robert Schumann. Man erlebte einen wunderschönen Violin–Klang; langgezogene Töne wechselten mit raschen Läufen – der Künstler bot das hervorragend. Die schwierigen Töne der Komposition nötigten dem Geiger das Höchste ab; auch die komplizierten Doppelgriffe sowie die Solo–Kadenz zeigten die hohe Kunst des Solisten. Sebastian Bohren spielte ausdrucksstark und meisterte alle Schwierigkeiten problemlos. Die herrlichen Violinentöne mischten sich vollkommen mit den reichen Orchesterklängen. Der Künstler zeigte ein gutes Gespür für Höhepunkte und melodiöse Passagen, die er innig darbot. Der Beifall für diese Darbietungen wollte nicht aufhören.

Kieler Nachrichten, May 2018

An die Grenzen des Existeniellen geht auch Robert Schumann in seiner Fantasie für Violine und Orchester. Sebastian Bohren gibt des Solopart ohne virtuosen Impetus. Vielmehr lotet er die Geheimnisse der Gefühle aus, streicht lyrisch zart bis hin zur rauheit in den Forte-Passagen und folgt so dem Geist des Komponisten. Bohrens Spiel ist nicht nur ein Hörgenuss, sondern auch ein optischer, wenn er sich über die ürbigen Solistengesten hinaus körperlich buchstäblich ins Zeug legt. In Schuberts Rondo für Violine und Streicher agiert er deutlich milder und sanglicher, mit jugendlicher Verve, zugleich aber mit einer - im positiven Sinne - "erwachsenen" Abgeklärtheit.

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