CV

"In rhetoric and expressive interpretations, Sebastian Bohren proves a versatile and imaginative Bach performer."
(Pizzicato)

With his expressive, soulful playing, Swiss violinist Sebastian Bohren has quickly established himself as one of the most interesting talents of his generation. Ninety concerts each year as a soloist and chamber musician lead the young musician around the globe. He appears as a soloist with the Sinfonieorchester Basel, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Luzerner Sinfonieorchester, Staatskapelle St. Petersburg, Orchestra di Padova, Zürcher and Berner Kammerorchester, and Argovia Philharmonic (among other ensembles) under the direction of Andrew Litton, James Gaffigan, Patrick Lange, Elim Chan, Muhai Tang, and Heinrich Schiff. In 2018 he will make his debut at the Lucerne Festival.

Sebastian Bohren’s recording of Beethoven’s Violin Concerto, released in 2016 with RCA Red Seal, won enthusiastic acclaim from the press. In 2017 another recording followed featuring violin concertos of Mendelssohn, Hartmann, and Schubert as well as a digitally-released live album with works by Peteris Vasks and Gija Kancheli. With the ensemble CHAARTS and Gabor Takacs-Nagy, he will record the Mozart violin concertos in autumn 2018.

Bohren is a member of the Stradivari Quartet. In 2018 the ensemble will perform at venues including the Seoul Arts Center, National Center for Performing Arts Beijing, and Shanghai Symphony Hall, and will also tour Japan. Highlights of recent seasons have included performances at Hamburg’s Elbphilharmonie, Victoria Hall in Singapore, the Rheingau Musik Festival, Kissinger Sommer, and Rubinstein Piano Festival. Their debut CD featuring Mozart’s Prussian Quartets was followed by a recording of Robert Schumann’s three string quartets in spring 2018.

The Zürich-based violinist still maintains close ties with his home, the canton of Aargau. In 2015 he was granted a sabbatical year by the Aargauer Kuratorium, and in summer 2015 he served as Festival Artist at the Boswiler Sommer festival. He successfully directs his own concert series, the Stretta Concerts, in Brugg. 2015 also marked the release of his first CD, on which he performs Ignaz Pleyel’s rarely-heard violin concerto.

Born in 1987, Sebastian Bohren graduated from the High School for the Fine Arts and Sports Rämibühl in Zürich. He completed his training in Zürich, Lucerne, and Munich with Zakhar Bron, Robert Zimansky, Igor Karsko, and Ingolf Turban. He received further instruction from Ana Chumachenco and Hansheinz Schneeberger.

He plays an instrument by G.B. Guadagnini (Parma 1776) from a Swiss private collection.

NEWS

Oktober 2018

Gramophone about the Bach recording

Document: Stretta Concerts 2018/2019

CONCERTS

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PAST CONCERTS

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CD

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(May 2018)

CD-Trailer

(August 2017)

Reviews
Concerti, September 2018
Voller Wärme und Esprit

Seinem Spiel zu lauschen macht glücklich – und ein wenig wehmütig zugleich: Sebastian Bohren hat Violinsonaten und Partiten von Bach eingespielt

Bach war definitiv nie in Polling. Dennoch hat die bezaubernde Atmosphäre des Bibliotheksaal im oberbayrischen Kloster Polling, das als Pfeiffering in Thomas Manns „Doktor Faustus“ eine zentrale Rolle spielt, den jungen Schweizer Geiger Sebastian Bohren hörbar beflügelt. Dort hat er die Sonaten und Partiten BWV 1004-1006 eingespielt. Sie bezaubern und faszinieren den Hörer vom ersten bis zum letzten Takt: voller Esprit, geistsprühend, voller Wärme und Anteilnahme, spannungsgeladen oder von tiefer Ruhe erfüllt. Dass Bohren diese Meilensteine für jeden Geiger mit technischer Vollendung darbietet, versteht sich dabei von selbst. Seinem Spiel zu lauschen macht glücklich – und ein wenig wehmütig zugleich. „In Richtung Himmel gesungen“ ist der Booklettext überschrieben. Das trifft es genau. Bohren scheint ganz aus sich heraus zu musizieren. Eben diese Individualität braucht es heute, im Zeitalter der allgegenwärtigen Verfügbarkeit jedweder Kunst, mehr denn je.
Sabine Näher

Musik & Theater, September 2018
Bach - ein Kinderspiel

Er ist schon ziemlich erstaunlich, dieser junge Schweizer Geiger Sebastian Bohren. Frei deklamierend, vielseitig in Dynamin und Agogik, mal den tänzerischen Charakter, dann eher wieder die melodische Kraft oder die kontrapunktische Struktur betonend, dabei technisch stets blitzsauber geigt er sich durch Bachs Solo-Kosmos, als wäre es das Leichteste von der Welt.
Reinmar Wagner

Klassik Heute, August 2018
Unter den akustisch idealen Bedingungen der Pollinger Klosterbibliothek hat sich Sebastian Bohren in die stattliche Reihe der Interpreten Bachscher Soloviolinmusik eingefügt und eine Einspielung der Partiten in d-Moll und E-Dur, sowie der Sonate in C-Dur vorgelegt. Zweifellos ist Bohren ein technisch souveräner Geiger. Die Aufnahmen strahlen durchweg den Eindruck aus, dass das, was erklingt, auch so gewollt ist. Niemals wirkt ein Effekt, als sei er zufällig unterlaufen.

Die Darbietung der Allemanda aus der d-Moll-Partita, mit der die CD eröffnet wird, lässt bereits wesentliche Merkmale der Interpretationsweise Bohrens erkennen: Grundlegend spielt er nonlegato und wählt einen Legatovortrag nur für die von Bach ausdrücklich mit Bindebögen versehenen Phrasen. Kontraste werden dezent gesetzt, unter Vermeidung auffälliger Dynamik- und Temposchwankungen, so dass die Musik sich unaufgeregt und stetig vorwärtsbewegt. In dieser gelassenen Lebhaftigkeit der raschen Sätze zeigt sich die Stärke Bohrens. So gelingt ihm das Präludium der E-Dur-Partita, in dem er auch die einkomponierten Echoeffekte nicht vernachlässigt, schlichtweg vortrefflich. Gleiches lässt sich vom Finale der C-Dur-Sonate sagen.
...

Kulturradio RBB, August 2018
Mit den sechs Partiten und Sonaten für Solovioline hat Johann Sebastian Bach zwischen 1715 und 1720 einen Höhepunkt der Geigenliteratur geschaffen. Für sein erstes Soloalbum hat sich Sebastian Bohren die drei letzten Werke aus diesem Zyklus ausgesucht. In diesem "abgerundeten" Programm könne er auch seine beiden Lieblingssätze präsentieren: die C-Dur-Fuge aus BWV 1005 und die Chaconne -"Herzensangelegenheiten" nennt der Geiger diese beiden Sätze.
Bachs berühmte d-moll-Chaconne - Schlusssatz der Partita Nr. 2 - ist ein mehr als zehn Minuten dauerndes Paradestück, das Bohren schon oft im Konzert, aber nun zum ersten Mal auch auf einer CD spielt. Interessanterweise hört man ihn dabei noch auf der Stradivari "King George", die Bohren mittlerweile durch eine Guadagnini-Geige ausgetauscht hat. Das jüngere Instrument - gebaut 1767 - ist auf dem Podium deutlich kräftiger im Ton, die Stradivari darf dafür auf dieser CD noch einmal in allen Cremoneser Klangfarben strahlen.
"In jedem Ton verbergen sich ganz viele Schatzkisten, die man finden muss" - was Sebastian Bohren für sein Geigenspiel allgemein formuliert, gilt für die drei aufgenommenen Werke in ganz besonderem Maße. Es sind Schätze der barocken Polyphonie, die hier allerdings nur auf einem einzigen Instrument ausgeführt wird. Genau die richtige Herausforderung für diesen hervorragenden Geiger, der bei Hansheinz Schneeberger in Basel studiert hat und nicht zufällig Nathan Milstein als sein grosses Vorbild benennt - einer der größten Geiger des 20. Jahrhunderts, der bis heute für seine Aufnahmen der Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach verehrt wird.

Gramophone, August 2018
This is not ‘period’ solo Bach – the lingering lick of vibrato on the last note of the disc’s opening phrase, from the Allemande of the Second Partita, reveals that in a moment – but neither is it of the old-school kind, big-toned and intense. The Swiss violinist Sebastian Bohren is for the most part sparing with vibrato, preferring to rely on satin-smooth tone, clean texture and a pleasingly loose-limbed, almost nonchalant ease of movement. These can only be achieved with a high level of technical command, and that is certainly what Bohren has; at no point is there any sense of the difficulty of this music, of strain in meeting its daunting challenges to bow and fingers, not even in the Chaconne or the giant Fugue of the Third Sonata. Bohren, it appears, has mastery over them all.

It makes for solo Bach that is uncommonly easy on the ear; and, in faster and more motoric movements such as the Prelude of the Third Partita or the freewheeling final Allegro of the Third Sonata, its nimble precision can be exhilarating. It also allows him to deliver a languid Third Sonata Largo and some light-footed dances in the Third Partita, including a nicely loping Loure. In the Fugue, too, he is able to maintain a lyrical quality in the entries of the chorale-based subject, an objective he identifies in his booklet interview. What he does not do so successfully, however, is address the music’s rhetorical demands; where another player’s phrasing might bend, relax and tauten, Bohren’s is a little unvarying and lacking in imagination, making some of these movements edifices rather than living and breathing creations. That may be enough to send you elsewhere but even so there must be few recordings of these great pieces in which the beauty of the violin-playing can in itself give so much pleasure. Lindsay Kemp

Pizzicato, July 2018
Johann Sebastian Bach – ein Name, der geradezu Ehrfurcht erfordert. Jedes Werk des Thomaskantors scheint ein besonderer Gradmesser für einen Musiker zu sein. So steht es auch um die Solo-Werke für die Violine. Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren betrachtet Bachs Musik nicht als unbezwingbaren Berg, als unerreichbaren Matterhorn-Gipfel. Er spielt ganz einfach Bachs Musik, und er spielt mit ihr.

Sebastian Bohren scheut sich nicht davor, die strenge Form aufzubrechen, das Metrum gelegentlich zu vernachlässigen. Er tut dies nicht aus Trotz, aus purem Eigenwillen, er tut es um der Musik wegen. Nur in freier rhetorischer Entfaltung kann Bohren Bachs Musik gerecht werden. Nur so kann er sie von den Fesseln des rein Etüdenhaften befreien und eine ausdrucksstarke Musik gestalten.

Das macht Sebastian Bohren mit sicherem, virtuosem Bogen, mit kräftigem Ton und lyrischen Zwischenrufen. So hält er die Spannung hoch und unterstreicht mit erfrischender Natürlichkeit Bachs höchste Ansprüche an die Interpreten seiner Musik.

"In rhetoric and expressive interpretations, Sebastian Bohren proves a versatile and imaginative Bach performer."

NZZ am Sonntag, July 2018
Wenn ein Musiker nicht mehr zweifelt, soll er schweigen. Dem Schweizer Geiger Sebastian Bohren (*1987) wird das nie im Leben passieren. Er sucht, triumphiert - und verwirft. Nun hat Bohren, der im Sommer beim Lucerne Festival debütiert, eine Solo-Sonate und zwei Partiten von J.S.Bach eingespielt, Werke von Schlichtheit und Perfektion. Bohren spielt sie mit einem sonnenstrahlenden Selbstversändnis. Der Ton ist voll, die Bögen gross. Aber man hört auch das Zweifeln, er scheint sich auch einmal zu verrennen, um bald mächtiger, gelöster zurückzukehren und zu fragen: "Hier könnte ein Weg in den Himmel sein, nicht?" Christian Berzins

Der neue Merker, June 2018
Sebastian Bohren versteinert nicht in schüchterner Schreckstarre vor diesen mythisch-barocken Stücken für Violine solo heran, sondern er genießt sie einfach. Natürlich bewundert der Geiger aus Zürich, was Bach mit so traditionellen Tanzsätzen alles „anstellen kann“ und wie ökonomisch er dabei die kompositorische Feder führte.

Der Musikfreund wiederum ist verblüfft, wie unbeschwert mutig und dennoch wissend Sebastian Bohren diese Eiger Nordwand der Sololiteratur für Violine erklimmt, sie umwirbt, sie ausleuchtet. Mit stets fein ziseliertem Ton, aber doch kraftvoll geführtem Bogen webt Bohren seine eigene Marke in die unendlichen Mäander der Bachschen Partiten, scheint über einen unendlichen Atem zu verfügen und bleibt doch der Musiker zum Anfassen, der den Boden unter seinen Füßen „Himmel und Hölle“ vorzieht. Das streng unerbittliche Metrum, das blau sterile kosmische Vergehen in der Musik sind seine Sache nicht. Sebastian Bohren ist viel zu sehr Vollblutmusiker, um nicht auch als Interpret in die Fußstapfen des Meisters aus Eisenach schlüpfen zu wollen. Überhaupt ist es die wie improvisiert wirkende Kreatürlichkeit des Geigers, die fasziniert. Bohren braucht für seinen Bach keine Noten, die Partituren kennt er von Kindesbeinen an auswendig.

Bohren schwärmt in einem Filmtrailer zur CD, die auf seiner Website abrufbar ist, von idealen Verhältnissen des musikalischen Inhalts bei Bach. Trotz aller Freiheiten eines kreativen Geists weiß Bohren um die Proportionen der Musik, die Balance in der dynamischen Abmischung, den goldenen Ariadnefaden durch die vielen, vielen kleinen Noten. Die Form bleibt final jedoch stets nur der architektonische Rahmen, in der Ausdruck und persönliches Erleben sich musikantisch manifestieren können. Ein Ereignis!

Der erste Versuch mit Bach solo ist geglückt, mögen weitere – auch auf Tonträger – folgen.

Dr. Ingobert Waltenberger

Hartmann: Concerto funebre / Mendelssohn & Schubert
CD-Trailer

(September 2016)

Reviews
MDR Kultur, July 2017
Nachdem bei RCA Red Seal eine erste CD mit Beethovens Violinkonzert ("Equal") erschien, hat Sebastian Bohren ... virtuos und emotional packende Musik für Violine und Streicher, die er auf der Suche nach dem natürlichen Klang, "der goldenen Mitte", sehr persönlich und ausdrucksstark, aber stets auf Augenhöhe mit dem überaus homogen agierenden Ensemble CHAARTS, interpretiert. (ir)

Fono Forum, June 2017
Musik **** Klang *****
"Nach seiner Debüt-Aufnahme mit Beethovens Violinkonzert möchte Sebastian Bohren mit seiner zweiten CD ein persönliches Statement abgeben, indem er Werke kombiniert, die ihm eine "Herzensangelegenheit" sind. Mendelssohns frühes Violinkonzert kommt mit eleganter Leichtigkeit daher, aus Hartmanns "Concerto funebre" klingt der hintergründige Ernst aus fein ausgersterten Klangstrukturen, Schuberts Rondo federt gelassen dahin. Und Respighi schwebt unter den Händen der Chaarts-Musiker. Hallgetragenes, sehr transparentes und gut ausbalanciertes Klangbild." Norbert Hornig

The Strad, June 2017
Bohren dispenses with the myth of the difficult second album

As with his debut disc, Sebastian Bohren's sequel comprises a strikingly varied programme. Its centrepiece is Hartmann's sombre Concerto funebre, a pacifist's protest against political events that were to lead to war. Bohren conveys the work's powerful emotional message in a perspective and intimate account. He draws maximum effect from its extremes of mood, moving from its doleful Introduction, through its fragmented, intensely anguished Adagio to the vigorous virtuosity, energetic rhytms and bitingly angry sarcasm of its third movement and the peaceful yet intense resignation of its plangent finale. The Chaarts Chamber Aartists support and interact with him with compelling unanimity of expressive purpose.
Bohren's assured technique, idiomatic flexibility and natural artistry are admirably illustrated in an engaging reading of Schubert's Rondo D438, in which he conjures up Viennese elegance aplenty, maintaining a singing line, sensitively shaped. His intended move towards a historically informed account of Mendelssohn's youthful D minor Violin Concerto is only a mere nod. Nevertheless, his relaxed lyricism and easy virtuosity, coupled with natural, well-balanced recorded sound, make for enjoyable listening, especially the brilliant, Csardas-inspired finale. Robin Stowell

Gramophone, June 2017
First to arrive was a CD called ‘Equal’ (7/16), the focus there being Beethoven’s Violin Concerto, and now we have ‘Op 2’ (not, you’ll note, the designated opus number for the pieces programmed), a selection of works that are close to Sebastian Bohren’s heart. There’s one incontestable masterpiece, the Concerto funebre for violin and strings by a German composer who withdrew into internal exile for the duration of the Second World War, beyond which he refashioned a number of his major works. Karl Amadeus Hartmann’s wonderful concerto opens by quoting the ‘Hussite Song’ that Smetana uses in Má vlast and Dvo?ák in the Hussites Overture. Allusions to Wagner haunt the second movement, whereas the violent third anticipates the world of Shostakovich’s Seventh and Eighth Quartets, and the work concludes with slow chorale. Concerto funebre has not been short of fine recordings, André Gertler and Thomas Zehetmair having produced two of the best, but Bohren’s comprehensive rendition homes in on every varied nuance that Hartmann calls for, from ethereal quiet playing among the instrument’s upper reaches to a swingeing attack of the bow elsewhere.

Mendelssohn’s teenage D minor Concerto was pioneered in modern times by Yehudi Menuhin, who recorded it memorably, and again Bohren offers a keenly communicative, virtuoso account with seamless passagework, especially in the first movement. If you’re expecting premonitions of the great E minor Concerto, be warned, there aren’t many, but it’s a pleasing and precocious piece, much along the lines of the string symphonies. The other Bohren favourites are Respighi’s Third Ancient Airs and Dances Suite, a melange of 16th- and 17th-century movements skilfully arranged, and Schubert’s A major Rondo, D438, where Bohren affects a winning lilt in the main rondo theme. Phrase shaping is always musical and the playing of the CHAARTS Chamber Artists is highly accomplished throughout. Excellent sound, too.

On a slightly different note, maybe someone could come along with an ‘Op 111’ CD – opus-led this time, ie Beethoven, Reger, Brahms and Dvo?ák, for starters, all marvellous pieces.

Pizzicato, June 2017
Wunderbare Werke für Streichorchester, in drei Fällen mit Solovioline, hat der junge Geiger Sebastian Bohren auf dieser CD mit dem Titel ‘Op. 2’ vereint.

Sicherlich gehört der Schweizer Geiger Sebastian Bohren zu den ausgezeichneten Interpreten, die einer Solostimme über die technische Beherrschung hinaus eigene musikalische Gedanken hat und vermitteln kann. Das Mendelssohn-Konzert ist dafür ein gutes Beispiel. Hier lässt er die jugendliche Frische ungefiltert an unsere Ohren gelangen.
Bei Hartmann wird es schon schwieriger. Die Konzeption des Werkes wird nicht durchgehend deutlich gemacht und so werden intensive Passagen nebeneinandergestellt. Der Schubert ist wiederum konzeptionell gelungen und gut strukturiert gespielt, lässt aber die Raffinesse vermissen, mit der zum Beispiel ein Geiger, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, so ein Werk intim beleuchtet. Sebastian Bohnen ist ein toller Geiger, aber auch noch entwicklungsfähig.
Die in Aargau beheimatete ‘Chaarts – Chamber Aartists’ präsentieren ihren Part mit großer Anteilnahme. Auch Respighi erfährt eine farblich nuancierte Widergabe, die den Reiz der Stücke wohltuend beleuchtet.

Kulturradio RBB, May 2017
Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre" steht im Mittelpunkt dieser CD. Das Werk bringt die Trauer über das Leid des 2. Weltkriegs in beeindruckender Weise zum Ausdruck. Ein Schlüsselwerk für den Schweizer Geiger Sebastian Bohren.

Seit seiner Kindheit, erzählt Sebastian Bohren, habe ihn Hartmanns "Concerto funebre" begleitet. Ein Schlüsselwerk für den jungen Geiger, der nach seiner ersten CD mit Beethovens Violinkonzert nun zeigt, dass er auch die großen Werke des 20. Jahrhunderts herausragend interpretieren kann.
Sebastian Bohren verfügt über einen tragenden Geigenton, den er in Hartmanns Konzert von Satz zu Satz gekonnt variiert: Zu Beginn hören wir die Verlorenheit des Einzelnen, während die dumpf marschierende Masse im dritten Satz aggressiv ihr ganzes Unheil verbreitet, bevor dann im Schlusssatz in einem stillen Choral eine große Trauer das Werk beschließt.
Hervorragend, wie Sebastian Bohren im stets gleichberechtigten Zusammenspiel mit dem exzellenten CHAARTS-Orchester die klanglichen Kontraste und die Entwicklung der Musik herausarbeitet.

Frühwerke

Der Beginn des Albums ist leicht und beschwingt, ohne dabei auch nur einen einzigen Moment in die Nähe von Oberflächlichkeit zu geraten: Felix Mendelssohn Bartholdys frühes Violinkonzert in d-Moll, komponiert von einem 13 Jahre alten Wunderkind. Eine Kategorie, in die sicher auch der nach eigenen Worten immer noch den vollendeten Klang suchende  Sebastian Bohren gehört. Geboren 1987 in Winterthur, steht er seit vielen Jahren auf der Bühne, hat verschiedene Preise und Stipendien gewonnen und zeigt sich jetzt erneut als einer der besten Geiger seiner Generation.

In der sehr persönlichen Auswahl dieses Albums präsentiert Sebastian Bohren im Anschluss an Mendelssohn Bartholdy und Hartmann noch zwei weitere "Herzensangelegenheiten", wie er die ausgewählten Stücke nennt: Ottorino Respighis Suite Nr. 3 "Antiche danze ed arie" und das "Rondo in A-Dur" für Violine und Orchester von Franz Schubert.

Meisterwerke

Sämtliche Werke dieser intelligent zusammengestellten CD beschäftigen sich auf ihre Weise mit der unendlich ergiebigen Verbindung von Tradition und Moderne: bei Mendelssohn Bartholdy klingen Mozart und C. Ph. E. Bach an. Karl Amadeus Hartmann verbindet Choräle des Mittelalters, spätromantische Harmonik und expressive Klänge der Moderne. Respighi schließlich besinnt sich in seiner neoklassizistischen Suite auf barocke Vorbilder.
Sebastian Bohren zeigt sich mit "Op. 2" erneut als kluger, mit allen klanglichen und technischen Möglichkeiten ausgestatteter Geiger – seine "Dritte" wird hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen.
Hans Ackermann, kulturradio

NDR Kultur, April 2017
Die Verschmelzung mit dem Ganzen

Ein Musiker unter gleichen will er sein, der Schweizer Geiger Sebastian Bohren. Musizieren auf Augenhöhe - darum geht es ihm. Entsprechend hieß sein gefeiertes Debütalbum auch "Equal": ein Album mit Beethovens Violinkonzert. Jetzt hat Sebastian Bohren nachgelegt: seine zweite Aufnahme mit den Chaarts Chamber Aartists heißt schlicht "Opus 2" und ist CD der Woche bei NDR Kultur.

Ein aufstrebender junger Geiger, der sich nicht exponiert und der mit Überzeugung sagt: Das schönste im Leben ist Üben. Im Fall von Sebastian Bohren ist das keine falsche Bescheidenheit. Dem 29-jährigen Schweizer geht es um die Suche nach seinem eigenen, natürlichen Geigenklang: "Ich versuche, mit dem Ensemble praktisch zu verschmelzen und aus dem Ensemble nur herauszuwachsen in ganz selbstverständlicher Weise. Immer auf der Suche nach der Natürlichkeit, nach Echtheit und Ehrlichkeit im Spiel. Nach dem guten Geschmack, nach der goldenen Mitte. Auch für mich ganz speziell auf der Suche nach der echten Qualität." Mit dieser uneitlen Haltung ist Sebastian Bohren erneut eine CD von hoher Künstlerischer Qualität gelungen.

Ungewöhnlich ist die Programmauswahl. Zunächst das selten aufgeführte d-Moll Violinkonzert des 13-jährigen Mendelssohn, historisch informiert gespielt. Sebastian Bohren kombiniert es mit einem Werk der klassischen Moderne, dem Concerto funèbre von Karl Amadeus Hartmann, das ihn seit Kindertagen begleitet. Auch das ist ungewöhnlich; handelt es sich doch um Musik, die aus Verzweiflung über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde. Ein düsteres Konzert mit weiten Kantilenen und spannungsvollem Mit- und Gegeneinander von Solo und Tutti. Durch imponierende Grifftechnik verblüfft Sebastian Bohren ebenso, wie durch feinste Abstufungen in Dynamik und Klang. Er löst ein, was Karl Amadeus Hartmann gefordert hatte. Jede Note solle durchfühlt, jede Zweiunddreißigstel-Pause aufmerksam durchgeatmet sein.

Nach dieser - wie der Komponist sie selbst nannte - "Todesmusik für die Opfer des Grossdeutschen Weltherrschaftswahns" geht es neoklassisch in milde Gefilde mit Ottorino Respighis Rückbesinnung auf italienischen Frühbarock. Die Alte Weisen und Tänze-Suite Nummer drei verströmt geschmeidige Natürlichkeit und Sebastian Bohren taucht wieder ganz ein in den Klang der Chaarts Chamber Aartists. Gegründet haben das Ensemble Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra. Den kammermusikalischen Ansatz beschreibt der Cellist und künstlerische Leiter Andreas Fleck folgendermaßen: "In der Regel nimmt der Dirigent die Aufmerksamkeit sehr stark auf sich; und der Solist ist meistens beim Entstehungsprozess nicht dabei. Das wollt ich ändern. Also haben wir einfach grundsätzlich schon mal den Dirigenten entfernt. Und der Solist muss von Anfang an dabei sein. Also schon bei den Proben zum Stück, um auch seinen Erfahrungsschatz mit reinzunehmen."

Als Mitglied des Stradivari-Quartetts begreift sich Sebastian Bohren auch in größerer Formation als Kammermusiker. Der Schüler von Zakhar Bron und Ingolf Turban hat in dem kleinen Ensemble hoch engagierte Mitstreiter gefunden mit Leidenschaft und musikalischer Erzählfreude. Glänzen darf seine King George-Stradivari abschließend in Schuberts Rondo für Violine und Streicher A-Dur - Abschluss einer warmherzigen, wirklich beseelten Aufnahme.

NZZ am Sonntag, April 2017
OP. 2, SONY ***** Auf den Mount Everest wagten sich der Schweizer Geiger Sebastian Bohren und das Kammerorchester CHAARTS in ihrer ersten CD. Nicht weniger spektakulär ist nun Op. 2: Prächtig die Spiellust bei Mendelssohn und Schubert, eindrücklich die Ausdruckskraft Bohrens in Hartmanns "Concerto funebre".

Der neue Merker, March 2017
Der junge Schweizer Geiger Sebastian Bohren stellt mit seiner zweiten, nüchtern betitelten CD seinen ganz besonderen Stellenwert unter den Violinvirtuosen seiner Generation unter Beweis. Wie schon beim Debütalbum »Equal« mit Beethovens Violinkonzert, sind die vorzüglichen CHAARTS Chamber Aartists wieder mit von der Partie.

Was bei Bohren neben der ungewöhnlichen, aber überzeugenden Programmzusammenstellung frappiert, ist die Teilhabe am Werdensprozess eines uneitlen Musikers, der das Erreichte nie als Absolutes, sondern als „work in progress“ eines Suchenden, als Etappe auf einem persönlichen künstlerischen Weg begreift. Der Zuhörer kann staunend nachhören, wie Bohren etwa beiKarl Amadeus Hartmanns Concerto funebre aus dem Jahr 1939 verschiedenste Bogentechniken auslotet, um die Atmosphäre des „als persönlicher Kontrapunkt zum hysterischen Siegesbild des Polenfeldzugs“ konzipierten Werks am emotional dichtesten zu erfassen. Dem Trauercharakter des Konzerts entsprechend kommen der Bekenntniston der Violine, das Gebethafte dieser düsteren Musik dank Bohrens mutig kompromissloser Lesart erschreckend intensiv zum Ausdruck. Uraufgeführt 1940 in St. Gallen, zitiert das Concerto funebre Wagner ebenso (Tristan) wie barocke Formelemente oder stampfende Rhythmen à la Shostakovich‘. Auch ein Trauermarsch aus der russischen Revolution 1905 „Unsterbliche Opfer, ihr sinkt dahin“ gehört zum musikalischen Humus der existentiellen musikalischen Auseinandersetzung, die der Solist gegen die Tutti bestreiten muss.

Ganz anders stimmt das die CD einleitende Violinkonzert in D-Moll des 13-jährign Mendelssohn. Hier prävaliert nicht der ernste Bekenntniston, sondern die Forschungsreise eines neugierigen genialen jungen Tonsetzers, die das Verlangen Mendelssohns spiegelt, „zu erfahren, zu lernen, zu prüfen, um der Sache willen weiter zu kommen“, wie das der Theatermann Eduard Devrient so trefflich beschrieben hat. Ein Leitsatz, den sich auch Sebastian Bohren für sich selbst ausgedacht haben könnte.

Die weitere Erkundung geht in Bohrens „Op. 2“ von der neoklassischen Aneignung der antiken Arie ed Danze des italienischen Frühbarocks durch Ottorino Respighi in dessen Suite Nr. 3bis zu Franz Schuberts Rondo für Violine und Streicher in A-Dur, D. 438. Bei diesem einsätzigen frühen Gelegenheitswerk mit hausmusikalischem Concertino-Charakter kommt Bohrens Erfahrung als Kammermusiker ein- und ausdrücklich zur Geltung: Das Miteinander im Klang und Artikulation, die stilistische Kongruenz als auch „die Suche nach interpretatorischer Tiefe und einer unaufdringlichen, dennoch starken Aussage“, so wie der Künstler selbst in einem Statement im Booklet beschreibt. Das einende Band aller auf der CD vereinten Kompositionen ist aber letztlich, dass sie eine „Herzensangelegenheit“ des Solisten darstellen.

Bohren spielt ein Instrument von Antonio Stradivari (King George 1710), aus der Sammlung der Stiftung Habisreutinger.

Dr. Ingobert Waltenberger

Klassik Heute, March 2017
Seine Einspielung des Beethoven-Violinkonzerts stieß im letzten Jahr auf ein überaus positives Echo in der Fachwelt. Leider ging diese ungehört an mir vorüber, wie mir auch der Name Sebastian Bohren bis heute unbekannt war. Was als ein Versäumnis meinerseits gedeutet werden kann, mag aber auch ein Hinweis darauf sein, dass der aus Winterthur stammende und bei Zakhar Bron, Igor Karsko und Ingolf Turban ausgebildete Geiger niemand ist, der seine Karriere mit großem Trara vorantreibt, sondern seine künstlerischen Schritte mit Bedacht und Ruhe plant. Folgerichtig steht seine neue Veröffentlichung auch nicht unter dem Motto „Hoppla, hier komm ich“. Das Programm der mit „Op. 2“ überschriebenen CD ist keines der von Beginn an Aufmerksamkeit und Beifall heischenden Art, sondern ein Programm der feinen Zwischentöne. Sehr hellhörig ausgehorchte Zwischentöne, die als ein immenses Ausdrucksbedürfnis jederzeit hörbar, ja fast schon körperlich erfahrbar sind, ohne dass man den Eindruck gewinnt, Sebastian Bohren und die ebenfalls aus der Schweiz stammenden CHAARTS CHAMBER AARTISTS würden forcieren.
Ob in Mendelssohns Violinkonzert d-Moll, Karl Amadeus Hartmanns Concerto funèbre oder im Rondo A-Dur D 438 von Franz Schubert: Die Interpreten zelebrieren in einer hoch engagierten Musizierhaltung eine gestalterische Leichtigkeit, eine so unaufdringliche und uneitle Kunst, wie sie mir bisher selten begegnet ist. Dass sie dabei auf Augenhöhe musizieren, ist für mich weniger bemerkenswert, als vielmehr der Umstand, dass sich Sebastian Bohren nicht als der außenstehende Solist, sondern – so mein Höreindruck – eher als ein sich in den Gesamtklang integrierendes Ensemblemitglied versteht. Und dass die eingespielten Werke nicht nur Sebastian Bohren eine „Herzensangelegenheit“ sind, wie er im CD-Booklet schreibt, sondern auch schon lange auf der Wunschliste des Ensembles CHAARTS zu stehen scheinen.
Mendelssohns d-Moll-Konzert ist nicht auf Schönklang getrimmt; hörbar historisch informiert setzen die Beteiligten auf Emphase und tauchen sehr beredt in die unterschiedlichen Affekte ein. Dazu kommt eine unbefangen und sich gegenseitig inspirierend wirkende Musizierlust. Sebastian Bohren singt dabei auf seiner Stradivari King George 1710 mit einem wundervollen, aber niemals aufgesetzt wirkenden Ton, vor allem aber mit einer entwaffnenden Natürlichkeit, von der man sich geradezu umarmt fühlt. Das gilt gleichermaßen für die entspannte Wiedergabe des folkloristisch angehauchten Schubert-Rondos.
Bis hierher könnte bei den Lesern vielleicht der Eindruck entstehen, als mangele es bei aller Natürlichkeit und gestalterischen Mühelosigkeit an interpretatorischer Tiefe. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich wollte mir diesen Punkt einfach für Hartmanns Concerto funèbre aufsparen, diesem exzessiven Meisterwerk der klassischen Moderne, dessen düstere Atmosphäre, gepaart mit weiten Kantilenen und einer so eloquenten Grundhaltung für sich allein schon ein enormes Spannungspotenzial birgt. Was darüber hinaus wirklich unter die Haut geht, ist Sebastian Bohrens feinsinniges Modellieren des Tons und die Subtilität seiner klanglichen und dynamischen Abstufungen. Auch in der pulsierenden Herangehensweise des klanglich hervorragend disponierten Ensembles CHAARTS geschieht nichts nur beiläufig. Hier wird keine Trauermusik präsentiert; man hört, wie die Beteiligten diese Musik für sich entdecken bzw. erspüren. Und das Ergebnis ist eine interpretatorische Tiefe, die elektrisierender kaum sein könnte.
Geschmeidig und pointiert geht es schließlich in Ottorino Respighis Suite Nr. 3 seiner Antiche danze ed arie zu. Wie die CHAARTS CHAMBER AARTISTS diese raffinierten Bearbeitungen von Lauten-Sätzen aus dem italienischen Frühbarock ungehindert dahinströmen lassen, ihnen nichts Exzentrisches aufzwingen und gleichzeitig eine faszinierende klangliche Variabilität an den Tag legen, ist ein Genuss – und die ganze CD ein wahrer Ohrenschmaus. Christof Jetzschke

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REVIEWS

AZ Medien, September 2018

Einspringer erweist sich als Glücksbringer im Stadttheater Anstelle der erkrankten Geigerin Patricia Kopatchinskaja übernimmt Sebastian Bohren kurzfristig – und landet im Stadttheater Olten einen Grosserfolg. Bohren spielt fern von jeglichem Einspringer-Lampenfieber, wunderbar gelöst und spielerisch-heiter. Sein Ton leuchtet und strahlt facettenreich; er ist verführerisch, aber nie süsslich, geschweige denn glatt. Die Noblesse von Bohrens Spiel erweist sich vor allem in der Partnerschaft mit einem Dirigenten und einem Orchester, die auf jede noch so kleine Schattierung oder Temporückung des Solisten eingehen. Kurzum: Das ist ein Miteinander, das nicht zuletzt auch davon erzählt, wie eine (erhoffte) Fortsetzung klingen würde – aufregend. (KOB, Heinz Holliger, Olten)read complete text

Einspringer erweist sich als Glücksbringer im Stadttheater

Anstelle der erkrankten Geigerin Patricia Kopatchinskaja übernimmt Sebastian Bohren kurzfristig – und landet im Stadttheater Olten einen Grosserfolg.

Die Musikinsel Rheinau ist eine Idylle, wo man ungestört proben kann. Doch hin und wieder ergreift die Realität Besitz von der Oase. Beispielsweise dann, wenn um 15 Uhr das Smartphone des Schweizer Geigers Sebastian Bohren klingelt. Ob er einspringen könne für die plötzlich erkrankte Solistin Patricia Kopatchinskaja? Wohlverstanden am selben Tag.

Nach kurzer Bedenkzeit macht sich Bohren auf den Weg – nach Olten, ins Stadttheater, wo das Konzert um 19.30 Uhr beginnen wird. Somit bleibt kaum Zeit, um mit dem Kammerorchester Basel und dem Dirigenten Heinz Holliger anstelle von Mozarts Violinkonzert Nr. 4 (mit Kopatchinskaja) Franz Schuberts Rondo in A-Dur zu proben. Aber, wird Bohren später auf dem Podium lächelnd bekennen: Einmal gemeinsam mit Heinz Holliger musizieren – das sei schon immer ein Lebensziel gewesen.

Bohrens Schubert-Interpretation gewinnt noch etwas mehr an Gewicht; vor allem, wenn man an die langsame, ausdrucksstarke Einleitung denkt. Sie ist das Eingangsportal zum Rondo-Satz, in dem zwei rhythmisch prägnante Motive einen Rundtanz von Ohrwurmqualität bilden. Bohren spielt das fern von jeglichem Einspringer-Lampenfieber, wunderbar gelöst und spielerisch-heiter.

Sein Ton leuchtet und strahlt facettenreich; er ist verführerisch, aber nie süsslich, geschweige denn glatt. Die Noblesse von Bohrens Spiel erweist sich vor allem in der Partnerschaft mit einem Dirigenten und einem Orchester, die auf jede noch so kleine Schattierung oder Temporückung des Solisten eingehen. Kurzum: Das ist ein Miteinander, das nicht zuletzt auch davon erzählt, wie eine (erhoffte) Fortsetzung klingen würde – aufregend.

Neue Zürcher Zeitung NZZ, June 2018

Schostakowitsch schafft Klippen. Sebastian Bohren bewältigt sie meisterlich Die Camerata Zürich hat nicht nur originelle Programme versprochen. Sie hält sich auch daran, wie ein Konzert in der Aula der Zürcher Universität zeigt. Der Star des Abends ist ein junger Geiger. Verglichen mit diesem heiteren Frühwerk beschwört Schostakowitsch in seiner späten Violinsonate op. 134 eine düstere Welt. Das für Geige und Klavier geschriebene Werk wurde von Michail Zinman für Solovioline, Streichorchester und Schlagzeug bearbeitet. Hier schlägt nun die Stunde von Sebastian Bohren. Der 31-jährige Geiger zeigt für dieses sperrige Alterswerk eine erstaunliche Reife und eine Gestaltungskraft, die aufhorchen lässt. Der erste Satz der Violinsonate ist von Ernst und einer schwer fasslichen Disparatheit gekennzeichnet. Im zweiten Satz ist grosse Virtuosität gefordert, aber sie hat nichts Brillantes, sondern etwas sehr Verbissenes an sich. Die grösste Herausforderung stellt der dritte Satz dar; es sind Variationen über ein Passacaglia-Thema, deren Charaktervielfalt vom Spröden bis zum Grossspurigen reicht. Bohren bewältigt alle diese Klippen meisterlich, und auch das Streichorchester und der Perkussionist lassen sich von seinem Eifer anstecken.read complete text

«Schweizer Künstler und originelle Programme, die nicht von anderen Veranstaltern angeboten werden» – so charakterisierte Thomas Demenga, der künstlerische Leiter der Camerata Zürich, in einem NZZ-Interview das künstlerische Profil seines Orchesters. Auf das fünfte Konzert der laufenden Saison, die im Zeichen des sechzigjährigen Bestehens der Camerata steht, trifft diese Charakterisierung in besonderer Weise zu.

Mit dem jungen Gespann des Winterthurer Geigers Sebastian Bohren und der Zürcher Komponistin Stephanie Haensler war das Schweizerische prominent vertreten. Und die Wiedergabe zweier Werke von Dmitri Schostakowitsch, die dieser so gar nicht komponiert hat, tat dem Originalitätsanspruch mehr als Genüge.

Von Bach inspiriert

Die 24 Präludien op. 34 hat Schostakowitsch für Klavier solo geschrieben, und er lehnt sich darin deutlich an Bachs «Wohltemperiertes Klavier» an. Der Russe Grigory Korchmar hat 1990 eine Bearbeitung für Streichorchester vorgenommen. Sie schält die Eigenheiten dieser Charakterstücke vielleicht noch deutlicher heraus als die Klavierfassung. Unter der Leitung von Konzertmeister Igor Karsko interpretieren die sechzehn Musikerinnen und Musiker der Camerata nur eine Auswahl der Präludien. Da hört man einen leichten Walzer, einen rastlosen Galopp oder ein glühendes Notturno, und alles ist so profiliert gespielt, dass man Appetit auf den ganzen Zyklus bekommt.

Verglichen mit diesem heiteren Frühwerk beschwört Schostakowitsch in seiner späten Violinsonate op. 134 eine düstere Welt. Das für Geige und Klavier geschriebene Werk wurde von Michail Zinman für Solovioline, Streichorchester und Schlagzeug bearbeitet. Hier schlägt nun die Stunde von Sebastian Bohren.

Der 31-jährige Geiger zeigt für dieses sperrige Alterswerk eine erstaunliche Reife und eine Gestaltungskraft, die aufhorchen lässt. Der erste Satz der Violinsonate ist von Ernst und einer schwer fasslichen Disparatheit gekennzeichnet. Im zweiten Satz ist grosse Virtuosität gefordert, aber sie hat nichts Brillantes, sondern etwas sehr Verbissenes an sich. Die grösste Herausforderung stellt der dritte Satz dar; es sind Variationen über ein Passacaglia-Thema, deren Charaktervielfalt vom Spröden bis zum Grossspurigen reicht. Bohren bewältigt alle diese Klippen meisterlich, und auch das Streichorchester und der Perkussionist lassen sich von seinem Eifer anstecken.

Stephanie Haenslers «durch streifen» für Streichorchester dauert –das war die Vorgabe – nur fünf Minuten. Es handelt sich um ein Auftragswerk der Camerata Zürich aus Anlass ihres 60. Geburtstages. Die Uraufführung in der Aula der Universität lässt als Höreindruck eine Musik erstehen, die man als wuchernd und verschlungen charakterisieren kann. Die Komponistin erklärt den Titel ihres Stücks mit der Vorstellung eines Spazierganges durch eine Naturlandschaft. Eine dominierende Rolle nehmen drei Cellostimmen ein, die bald solistisch hervortreten, bald vom Streichertutti umfangen werden. Die Spaziergänger in der Natur?

Überraschende Paukenwirbel

Mit den drei Celli bezieht sich Haensler auch auf das zuvor erklungene Tripelkonzert des Finnen Olli Mustonen. Bei diesem Werk sind es drei Violinen, die den Solopart unter sich aufteilen. In durchaus barocker Manier wetteifern hier Sebastian Bohren, Igor Karsko und Pascal Druey in brillanter Manier miteinander. Der Komponist hat sich hörbar von Bachs Brandenburgischen Konzerten inspirieren lassen. Am weitesten von dem neobarocken Modell entfernt sich der langsame dritte Satz, dem ein immer wieder unterbrochener Streichersatz und überraschende Paukenwirbel ein originelles Gepräge geben.

Eckernförder Zeitung, May 2018

Mitgebracht hatte das Göttinger Sinfonieorchester den jungen, hochtalentierten Geiger Sebastian Bohren – er bot im ersten Teil des Abends die „Fantasie in C–Dur für Violine und Orchester op. 131“, von Robert Schumann. Man erlebte einen wunderschönen Violin–Klang; langgezogene Töne wechselten mit raschen Läufen – der Künstler bot das hervorragend. Die schwierigen Töne der Komposition nötigten dem Geiger das Höchste ab; auch die komplizierten Doppelgriffe sowie die Solo–Kadenz zeigten die hohe Kunst des Solisten. Sebastian Bohren spielte ausdrucksstark und meisterte alle Schwierigkeiten problemlos. Die herrlichen Violinentöne mischten sich vollkommen mit den reichen Orchesterklängen. Der Künstler zeigte ein gutes Gespür für Höhepunkte und melodiöse Passagen, die er innig darbot. Der Beifall für diese Darbietungen wollte nicht aufhören.

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