CV

"Sebastian Bohren stellt mit seiner zweiten, nüchtern betitelten CD seinen ganz besonderen Stellenwert unter den Violinvirtuosen seiner Generation unter Beweis." (Der neue Merker)

Mit seinem ausdrucksstarken, beseelten Spiel etabliert sich der Schweizer Sebastian Bohren behutsam als eines der interessantesten Violintalente seiner Generation. Jährlich an die 90 Konzerte als Solist und Kammermusiker führen den jungen Musiker rund um den Globus. Er gastiert u.a. beim Luzerner Sinfonieorchester, der Staatskapelle St. Petersburg, dem Orchestra di Padova, dem Zürcher und dem Berner Kammerorchester, der Philharmonie Bad Reichenhall, der Camerata Zürich unter Leitung von Muhai Tang, James Gaffigan, Patrick Lange und Heinrich Schiff. 2017 tritt er in 8 Konzerten mit dem Argovia Philharmonic auf, u.a. mit Beethovens Violinkonzert in der Tonhalle Zürich. Zukünftige Engagements führen ihn unter Anderem zum Musikkollegium Winterthur, zum Sinfonieorchester Basel, zum Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und zum Georgischen Kammerorchester. 2018 debütiert er beim Lucerne Festival.

Sebastian Bohrens 2016 beim Label RCA Red Seal veröffentlichte Einspielung von Beethovens Violinkonzert, zusammen mit dem Ensemble CHAARTS, wurde von der Fachpresse begeistert aufgenommen. Im März diesen Jahres folgte eine Aufnahme mit Violinkonzerten von Mendelssohn, Hartmann und Schubert.

Bohren ist Mitglied im Stradivari-Quartett. 2017 gastiert das Ensemble u.a. in der Victoria Hall in Singapur, auf Tournee in Japan und China sowie im September in der Hamburger Elbphilharmonie. Highlights der letzten Spielzeiten waren Auftritte im Arts Center in Seoul, in der Shanghai Symphony Hall, im National Center for Performing Arts Beijing und beim Rheingau Musikfestival, Kissinger Sommer oder dem Rubinstein Piano Festival. Das Ensemble veröffentlichte 2015 eine CD mit Mozart's „Preussischen Quartetten“ und hat im März 2017 die drei Streichquartette von Robert Schumann aufgenommen.

Der in Zürich lebende Geiger ist weiterhin seiner Heimat, dem Kanton Aargau, verbunden. 2015 erhielt er ein Werkjahr des Aargauer Kuratoriums, im Sommer 2015 war er "Festival Artist“ am Festival „Boswiler Sommer“. Mit Erfolg leitet er seine eigene Konzertreihe "Stretta Concerts" in Brugg. Ebenfalls 2015 erschien seine erste CD: Darauf zu hören ist Ignaz Pleyel selten gehörtes Violinkonzert.
2017 trat er an der ersten „Purple Night“ des Schweizer Radio und Fernsehens im Club Hive auf.

Geboren 1987 machte Sebastian Bohren seine Matura am Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in Zürich und erhielt Violinunterricht bei Jens Lohmann. Seine Ausbildung absolvierte er in Zürich, Luzern und München bei Zakhar Bron, Robert Zimansky, Igor Karsko und Ingolf Turban. Weiter begleitet wurde er von Ana Chumachenco, Heinrich Schiff und Hansheinz Schneeberger.

Er spielt ein Instrument von G.B. Guadagnini (Parma 1776) aus Schweizer Privatbesitz.

NEWS

September 2017

September 2017

Juli/August 2017

Sebastian im Interview mit dem Generalanzeiger

"Dieser sympathische Geiger ist längst zu einer der interessantesten Schweizer Musikerpersönlichkeiten auf dem internationalen Parkett gereift."Der Landbote

Im Interview mit dem Landboten spricht Sebastian Bohren über das Glück beim Üben, den 30. Geburtstag und Klassik, die keine ist.

Neue Rezensionen zu "op.2" im Gramophone und TheStrad

BISHERIGE KONZERTE

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CD

Hartmann: Concerto funebre / Mendelssohn: Violinkonzert d-moll
Schubert: Rondo in A-Dur / Respighi: Antiche danze ed arie

CD-Trailer

(September 2016)

Kritiken
MDR Kultur, Juli 2017
Nachdem bei RCA Red Seal eine erste CD mit Beethovens Violinkonzert ("Equal") erschien, hat Sebastian Bohren ... virtuos und emotional packende Musik für Violine und Streicher, die er auf der Suche nach dem natürlichen Klang, "der goldenen Mitte", sehr persönlich und ausdrucksstark, aber stets auf Augenhöhe mit dem überaus homogen agierenden Ensemble CHAARTS, interpretiert. (ir)

Fono Forum, Juni 2017
Musik **** Klang *****
"Nach seiner Debüt-Aufnahme mit Beethovens Violinkonzert möchte Sebastian Bohren mit seiner zweiten CD ein persönliches Statement abgeben, indem er Werke kombiniert, die ihm eine "Herzensangelegenheit" sind. Mendelssohns frühes Violinkonzert kommt mit eleganter Leichtigkeit daher, aus Hartmanns "Concerto funebre" klingt der hintergründige Ernst aus fein ausgersterten Klangstrukturen, Schuberts Rondo federt gelassen dahin. Und Respighi schwebt unter den Händen der Chaarts-Musiker. Hallgetragenes, sehr transparentes und gut ausbalanciertes Klangbild." Norbert Hornig

The Strad, Juni 2017
Bohren dispenses with the myth of the difficult second album

As with his debut disc, Sebastian Bohren's sequel comprises a strikingly varied programme. Its centrepiece is Hartmann's sombre Concerto funebre, a pacifist's protest against political events that were to lead to war. Bohren conveys the work's powerful emotional message in a perspective and intimate account. He draws maximum effect from its extremes of mood, moving from its doleful Introduction, through its fragmented, intensely anguished Adagio to the vigorous virtuosity, energetic rhytms and bitingly angry sarcasm of its third movement and the peaceful yet intense resignation of its plangent finale. The Chaarts Chamber Aartists support and interact with him with compelling unanimity of expressive purpose.
Bohren's assured technique, idiomatic flexibility and natural artistry are admirably illustrated in an engaging reading of Schubert's Rondo D438, in which he conjures up Viennese elegance aplenty, maintaining a singing line, sensitively shaped. His intended move towards a historically informed account of Mendelssohn's youthful D minor Violin Concerto is only a mere nod. Nevertheless, his relaxed lyricism and easy virtuosity, coupled with natural, well-balanced recorded sound, make for enjoyable listening, especially the brilliant, Csardas-inspired finale. Robin Stowell
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Gramophone, Juni 2017
First to arrive was a CD called ‘Equal’ (7/16), the focus there being Beethoven’s Violin Concerto, and now we have ‘Op 2’ (not, you’ll note, the designated opus number for the pieces programmed), a selection of works that are close to Sebastian Bohren’s heart. There’s one incontestable masterpiece, the Concerto funebre for violin and strings by a German composer who withdrew into internal exile for the duration of the Second World War, beyond which he refashioned a number of his major works. Karl Amadeus Hartmann’s wonderful concerto opens by quoting the ‘Hussite Song’ that Smetana uses in Má vlast and Dvo?ák in the Hussites Overture. Allusions to Wagner haunt the second movement, whereas the violent third anticipates the world of Shostakovich’s Seventh and Eighth Quartets, and the work concludes with slow chorale. Concerto funebre has not been short of fine recordings, André Gertler and Thomas Zehetmair having produced two of the best, but Bohren’s comprehensive rendition homes in on every varied nuance that Hartmann calls for, from ethereal quiet playing among the instrument’s upper reaches to a swingeing attack of the bow elsewhere.

Mendelssohn’s teenage D minor Concerto was pioneered in modern times by Yehudi Menuhin, who recorded it memorably, and again Bohren offers a keenly communicative, virtuoso account with seamless passagework, especially in the first movement. If you’re expecting premonitions of the great E minor Concerto, be warned, there aren’t many, but it’s a pleasing and precocious piece, much along the lines of the string symphonies. The other Bohren favourites are Respighi’s Third Ancient Airs and Dances Suite, a melange of 16th- and 17th-century movements skilfully arranged, and Schubert’s A major Rondo, D438, where Bohren affects a winning lilt in the main rondo theme. Phrase shaping is always musical and the playing of the CHAARTS Chamber Artists is highly accomplished throughout. Excellent sound, too.

On a slightly different note, maybe someone could come along with an ‘Op 111’ CD – opus-led this time, ie Beethoven, Reger, Brahms and Dvo?ák, for starters, all marvellous pieces.

Pizzicato, Juni 2017
Wunderbare Werke für Streichorchester, in drei Fällen mit Solovioline, hat der junge Geiger Sebastian Bohren auf dieser CD mit dem Titel ‘Op. 2’ vereint.

Sicherlich gehört der Schweizer Geiger Sebastian Bohren zu den ausgezeichneten Interpreten, die einer Solostimme über die technische Beherrschung hinaus eigene musikalische Gedanken hat und vermitteln kann. Das Mendelssohn-Konzert ist dafür ein gutes Beispiel. Hier lässt er die jugendliche Frische ungefiltert an unsere Ohren gelangen.
Bei Hartmann wird es schon schwieriger. Die Konzeption des Werkes wird nicht durchgehend deutlich gemacht und so werden intensive Passagen nebeneinandergestellt. Der Schubert ist wiederum konzeptionell gelungen und gut strukturiert gespielt, lässt aber die Raffinesse vermissen, mit der zum Beispiel ein Geiger, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, so ein Werk intim beleuchtet. Sebastian Bohnen ist ein toller Geiger, aber auch noch entwicklungsfähig.
Die in Aargau beheimatete ‘Chaarts – Chamber Aartists’ präsentieren ihren Part mit großer Anteilnahme. Auch Respighi erfährt eine farblich nuancierte Widergabe, die den Reiz der Stücke wohltuend beleuchtet.

Kulturradio RBB, Mai 2017
Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre" steht im Mittelpunkt dieser CD. Das Werk bringt die Trauer über das Leid des 2. Weltkriegs in beeindruckender Weise zum Ausdruck. Ein Schlüsselwerk für den Schweizer Geiger Sebastian Bohren.

Seit seiner Kindheit, erzählt Sebastian Bohren, habe ihn Hartmanns "Concerto funebre" begleitet. Ein Schlüsselwerk für den jungen Geiger, der nach seiner ersten CD mit Beethovens Violinkonzert nun zeigt, dass er auch die großen Werke des 20. Jahrhunderts herausragend interpretieren kann.
Sebastian Bohren verfügt über einen tragenden Geigenton, den er in Hartmanns Konzert von Satz zu Satz gekonnt variiert: Zu Beginn hören wir die Verlorenheit des Einzelnen, während die dumpf marschierende Masse im dritten Satz aggressiv ihr ganzes Unheil verbreitet, bevor dann im Schlusssatz in einem stillen Choral eine große Trauer das Werk beschließt.
Hervorragend, wie Sebastian Bohren im stets gleichberechtigten Zusammenspiel mit dem exzellenten CHAARTS-Orchester die klanglichen Kontraste und die Entwicklung der Musik herausarbeitet.

Frühwerke

Der Beginn des Albums ist leicht und beschwingt, ohne dabei auch nur einen einzigen Moment in die Nähe von Oberflächlichkeit zu geraten: Felix Mendelssohn Bartholdys frühes Violinkonzert in d-Moll, komponiert von einem 13 Jahre alten Wunderkind. Eine Kategorie, in die sicher auch der nach eigenen Worten immer noch den vollendeten Klang suchende  Sebastian Bohren gehört. Geboren 1987 in Winterthur, steht er seit vielen Jahren auf der Bühne, hat verschiedene Preise und Stipendien gewonnen und zeigt sich jetzt erneut als einer der besten Geiger seiner Generation.

In der sehr persönlichen Auswahl dieses Albums präsentiert Sebastian Bohren im Anschluss an Mendelssohn Bartholdy und Hartmann noch zwei weitere "Herzensangelegenheiten", wie er die ausgewählten Stücke nennt: Ottorino Respighis Suite Nr. 3 "Antiche danze ed arie" und das "Rondo in A-Dur" für Violine und Orchester von Franz Schubert.

Meisterwerke

Sämtliche Werke dieser intelligent zusammengestellten CD beschäftigen sich auf ihre Weise mit der unendlich ergiebigen Verbindung von Tradition und Moderne: bei Mendelssohn Bartholdy klingen Mozart und C. Ph. E. Bach an. Karl Amadeus Hartmann verbindet Choräle des Mittelalters, spätromantische Harmonik und expressive Klänge der Moderne. Respighi schließlich besinnt sich in seiner neoklassizistischen Suite auf barocke Vorbilder.
Sebastian Bohren zeigt sich mit "Op. 2" erneut als kluger, mit allen klanglichen und technischen Möglichkeiten ausgestatteter Geiger – seine "Dritte" wird hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen.
Hans Ackermann, kulturradio

NDR Kultur, April 2017
Die Verschmelzung mit dem Ganzen

Ein Musiker unter gleichen will er sein, der Schweizer Geiger Sebastian Bohren. Musizieren auf Augenhöhe - darum geht es ihm. Entsprechend hieß sein gefeiertes Debütalbum auch "Equal": ein Album mit Beethovens Violinkonzert. Jetzt hat Sebastian Bohren nachgelegt: seine zweite Aufnahme mit den Chaarts Chamber Aartists heißt schlicht "Opus 2" und ist CD der Woche bei NDR Kultur.

Ein aufstrebender junger Geiger, der sich nicht exponiert und der mit Überzeugung sagt: Das schönste im Leben ist Üben. Im Fall von Sebastian Bohren ist das keine falsche Bescheidenheit. Dem 29-jährigen Schweizer geht es um die Suche nach seinem eigenen, natürlichen Geigenklang: "Ich versuche, mit dem Ensemble praktisch zu verschmelzen und aus dem Ensemble nur herauszuwachsen in ganz selbstverständlicher Weise. Immer auf der Suche nach der Natürlichkeit, nach Echtheit und Ehrlichkeit im Spiel. Nach dem guten Geschmack, nach der goldenen Mitte. Auch für mich ganz speziell auf der Suche nach der echten Qualität." Mit dieser uneitlen Haltung ist Sebastian Bohren erneut eine CD von hoher Künstlerischer Qualität gelungen.

Ungewöhnlich ist die Programmauswahl. Zunächst das selten aufgeführte d-Moll Violinkonzert des 13-jährigen Mendelssohn, historisch informiert gespielt. Sebastian Bohren kombiniert es mit einem Werk der klassischen Moderne, dem Concerto funèbre von Karl Amadeus Hartmann, das ihn seit Kindertagen begleitet. Auch das ist ungewöhnlich; handelt es sich doch um Musik, die aus Verzweiflung über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde. Ein düsteres Konzert mit weiten Kantilenen und spannungsvollem Mit- und Gegeneinander von Solo und Tutti. Durch imponierende Grifftechnik verblüfft Sebastian Bohren ebenso, wie durch feinste Abstufungen in Dynamik und Klang. Er löst ein, was Karl Amadeus Hartmann gefordert hatte. Jede Note solle durchfühlt, jede Zweiunddreißigstel-Pause aufmerksam durchgeatmet sein.

Nach dieser - wie der Komponist sie selbst nannte - "Todesmusik für die Opfer des Grossdeutschen Weltherrschaftswahns" geht es neoklassisch in milde Gefilde mit Ottorino Respighis Rückbesinnung auf italienischen Frühbarock. Die Alte Weisen und Tänze-Suite Nummer drei verströmt geschmeidige Natürlichkeit und Sebastian Bohren taucht wieder ganz ein in den Klang der Chaarts Chamber Aartists. Gegründet haben das Ensemble Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra. Den kammermusikalischen Ansatz beschreibt der Cellist und künstlerische Leiter Andreas Fleck folgendermaßen: "In der Regel nimmt der Dirigent die Aufmerksamkeit sehr stark auf sich; und der Solist ist meistens beim Entstehungsprozess nicht dabei. Das wollt ich ändern. Also haben wir einfach grundsätzlich schon mal den Dirigenten entfernt. Und der Solist muss von Anfang an dabei sein. Also schon bei den Proben zum Stück, um auch seinen Erfahrungsschatz mit reinzunehmen."

Als Mitglied des Stradivari-Quartetts begreift sich Sebastian Bohren auch in größerer Formation als Kammermusiker. Der Schüler von Zakhar Bron und Ingolf Turban hat in dem kleinen Ensemble hoch engagierte Mitstreiter gefunden mit Leidenschaft und musikalischer Erzählfreude. Glänzen darf seine King George-Stradivari abschließend in Schuberts Rondo für Violine und Streicher A-Dur - Abschluss einer warmherzigen, wirklich beseelten Aufnahme.

NZZ am Sonntag, April 2017
OP. 2, SONY ***** Auf den Mount Everest wagten sich der Schweizer Geiger Sebastian Bohren und das Kammerorchester CHAARTS in ihrer ersten CD. Nicht weniger spektakulär ist nun Op. 2: Prächtig die Spiellust bei Mendelssohn und Schubert, eindrücklich die Ausdruckskraft Bohrens in Hartmanns "Concerto funebre".

Der neue Merker, März 2017
Der junge Schweizer Geiger Sebastian Bohren stellt mit seiner zweiten, nüchtern betitelten CD seinen ganz besonderen Stellenwert unter den Violinvirtuosen seiner Generation unter Beweis. Wie schon beim Debütalbum »Equal« mit Beethovens Violinkonzert, sind die vorzüglichen CHAARTS Chamber Aartists wieder mit von der Partie.

Was bei Bohren neben der ungewöhnlichen, aber überzeugenden Programmzusammenstellung frappiert, ist die Teilhabe am Werdensprozess eines uneitlen Musikers, der das Erreichte nie als Absolutes, sondern als „work in progress“ eines Suchenden, als Etappe auf einem persönlichen künstlerischen Weg begreift. Der Zuhörer kann staunend nachhören, wie Bohren etwa beiKarl Amadeus Hartmanns Concerto funebre aus dem Jahr 1939 verschiedenste Bogentechniken auslotet, um die Atmosphäre des „als persönlicher Kontrapunkt zum hysterischen Siegesbild des Polenfeldzugs“ konzipierten Werks am emotional dichtesten zu erfassen. Dem Trauercharakter des Konzerts entsprechend kommen der Bekenntniston der Violine, das Gebethafte dieser düsteren Musik dank Bohrens mutig kompromissloser Lesart erschreckend intensiv zum Ausdruck. Uraufgeführt 1940 in St. Gallen, zitiert das Concerto funebre Wagner ebenso (Tristan) wie barocke Formelemente oder stampfende Rhythmen à la Shostakovich‘. Auch ein Trauermarsch aus der russischen Revolution 1905 „Unsterbliche Opfer, ihr sinkt dahin“ gehört zum musikalischen Humus der existentiellen musikalischen Auseinandersetzung, die der Solist gegen die Tutti bestreiten muss.

Ganz anders stimmt das die CD einleitende Violinkonzert in D-Moll des 13-jährign Mendelssohn. Hier prävaliert nicht der ernste Bekenntniston, sondern die Forschungsreise eines neugierigen genialen jungen Tonsetzers, die das Verlangen Mendelssohns spiegelt, „zu erfahren, zu lernen, zu prüfen, um der Sache willen weiter zu kommen“, wie das der Theatermann Eduard Devrient so trefflich beschrieben hat. Ein Leitsatz, den sich auch Sebastian Bohren für sich selbst ausgedacht haben könnte.

Die weitere Erkundung geht in Bohrens „Op. 2“ von der neoklassischen Aneignung der antiken Arie ed Danze des italienischen Frühbarocks durch Ottorino Respighi in dessen Suite Nr. 3bis zu Franz Schuberts Rondo für Violine und Streicher in A-Dur, D. 438. Bei diesem einsätzigen frühen Gelegenheitswerk mit hausmusikalischem Concertino-Charakter kommt Bohrens Erfahrung als Kammermusiker ein- und ausdrücklich zur Geltung: Das Miteinander im Klang und Artikulation, die stilistische Kongruenz als auch „die Suche nach interpretatorischer Tiefe und einer unaufdringlichen, dennoch starken Aussage“, so wie der Künstler selbst in einem Statement im Booklet beschreibt. Das einende Band aller auf der CD vereinten Kompositionen ist aber letztlich, dass sie eine „Herzensangelegenheit“ des Solisten darstellen.

Bohren spielt ein Instrument von Antonio Stradivari (King George 1710), aus der Sammlung der Stiftung Habisreutinger.

Dr. Ingobert Waltenberger

Klassik Heute, März 2017
Seine Einspielung des Beethoven-Violinkonzerts stieß im letzten Jahr auf ein überaus positives Echo in der Fachwelt. Leider ging diese ungehört an mir vorüber, wie mir auch der Name Sebastian Bohren bis heute unbekannt war. Was als ein Versäumnis meinerseits gedeutet werden kann, mag aber auch ein Hinweis darauf sein, dass der aus Winterthur stammende und bei Zakhar Bron, Igor Karsko und Ingolf Turban ausgebildete Geiger niemand ist, der seine Karriere mit großem Trara vorantreibt, sondern seine künstlerischen Schritte mit Bedacht und Ruhe plant. Folgerichtig steht seine neue Veröffentlichung auch nicht unter dem Motto „Hoppla, hier komm ich“. Das Programm der mit „Op. 2“ überschriebenen CD ist keines der von Beginn an Aufmerksamkeit und Beifall heischenden Art, sondern ein Programm der feinen Zwischentöne. Sehr hellhörig ausgehorchte Zwischentöne, die als ein immenses Ausdrucksbedürfnis jederzeit hörbar, ja fast schon körperlich erfahrbar sind, ohne dass man den Eindruck gewinnt, Sebastian Bohren und die ebenfalls aus der Schweiz stammenden CHAARTS CHAMBER AARTISTS würden forcieren.
Ob in Mendelssohns Violinkonzert d-Moll, Karl Amadeus Hartmanns Concerto funèbre oder im Rondo A-Dur D 438 von Franz Schubert: Die Interpreten zelebrieren in einer hoch engagierten Musizierhaltung eine gestalterische Leichtigkeit, eine so unaufdringliche und uneitle Kunst, wie sie mir bisher selten begegnet ist. Dass sie dabei auf Augenhöhe musizieren, ist für mich weniger bemerkenswert, als vielmehr der Umstand, dass sich Sebastian Bohren nicht als der außenstehende Solist, sondern – so mein Höreindruck – eher als ein sich in den Gesamtklang integrierendes Ensemblemitglied versteht. Und dass die eingespielten Werke nicht nur Sebastian Bohren eine „Herzensangelegenheit“ sind, wie er im CD-Booklet schreibt, sondern auch schon lange auf der Wunschliste des Ensembles CHAARTS zu stehen scheinen.
Mendelssohns d-Moll-Konzert ist nicht auf Schönklang getrimmt; hörbar historisch informiert setzen die Beteiligten auf Emphase und tauchen sehr beredt in die unterschiedlichen Affekte ein. Dazu kommt eine unbefangen und sich gegenseitig inspirierend wirkende Musizierlust. Sebastian Bohren singt dabei auf seiner Stradivari King George 1710 mit einem wundervollen, aber niemals aufgesetzt wirkenden Ton, vor allem aber mit einer entwaffnenden Natürlichkeit, von der man sich geradezu umarmt fühlt. Das gilt gleichermaßen für die entspannte Wiedergabe des folkloristisch angehauchten Schubert-Rondos.
Bis hierher könnte bei den Lesern vielleicht der Eindruck entstehen, als mangele es bei aller Natürlichkeit und gestalterischen Mühelosigkeit an interpretatorischer Tiefe. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich wollte mir diesen Punkt einfach für Hartmanns Concerto funèbre aufsparen, diesem exzessiven Meisterwerk der klassischen Moderne, dessen düstere Atmosphäre, gepaart mit weiten Kantilenen und einer so eloquenten Grundhaltung für sich allein schon ein enormes Spannungspotenzial birgt. Was darüber hinaus wirklich unter die Haut geht, ist Sebastian Bohrens feinsinniges Modellieren des Tons und die Subtilität seiner klanglichen und dynamischen Abstufungen. Auch in der pulsierenden Herangehensweise des klanglich hervorragend disponierten Ensembles CHAARTS geschieht nichts nur beiläufig. Hier wird keine Trauermusik präsentiert; man hört, wie die Beteiligten diese Musik für sich entdecken bzw. erspüren. Und das Ergebnis ist eine interpretatorische Tiefe, die elektrisierender kaum sein könnte.
Geschmeidig und pointiert geht es schließlich in Ottorino Respighis Suite Nr. 3 seiner Antiche danze ed arie zu. Wie die CHAARTS CHAMBER AARTISTS diese raffinierten Bearbeitungen von Lauten-Sätzen aus dem italienischen Frühbarock ungehindert dahinströmen lassen, ihnen nichts Exzentrisches aufzwingen und gleichzeitig eine faszinierende klangliche Variabilität an den Tag legen, ist ein Genuss – und die ganze CD ein wahrer Ohrenschmaus. Christof Jetzschke

Sebastian Bohren / CHAARTS Chamber Artists
CD-Trailer

(April 2015)

Kritiken
Das Orchester, Januar 2017
Auch beim zweiten Werk dieser CD, Robert Schumanns Fantasie für Violine und Orchester, überzeugt der Solist Sebastian Bohren mit seinem klangschönen und sensiblen Spiel. Chaarts begleitet feinfühlig und aufmerksam. ... Die Interpreten zeigen eindrücklich, dass das Werk zu Recht eine besondere Anerkennung verdient. ... Man darf gespannt sein, welche Projekte in Zukunft von diesem Ensemble kommen werden.
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Pizzicato, Januar 2017
von Remy Franck. Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren (*1987) und die ohne Dirigent auftretenden ‘Chamber Aartists’, kurz CHAARTS (aus dem Aargau) spielen Beethovens Violinkonzert schwungvoll und gleichzeitig mit satten Akzenten, wobei der Geiger eigentlich sehr sanft und elegant durch die Musik kurvt. Hin und wieder ist das Orchester sogar etwas laut für sein feines Musizieren, aber anderseits ist der Kontrast auch recht spannend. Jedenfalls herrscht eine große Frische im ersten wie auch im letzten Satz, während der langsame Satz hinreißend elegisch erklingt und zum Finale hin eine große Spannung aufbaut. Auch das Orchester lässt hier mit viel Gestaltungskraft aufhorchen.
Kombiniert wurde das Beethoven-Konzert mit der Fantasie op. 131 von Robert Schumann, deren leidenschaftliche Musik von Sebastian Bohren mit viel Dramatik und Elan gespielt wird. Seine Geige wird vom Orchester in ein reliefstarkes Klangbild gebettet.
Nach so viel Symphonik sorgt das Nonett von Jean Françaix, das dieser aus Mozarts Quintett KV. 452 arrangiert hat, für einen klanglich facettenreichen kammermusikalischen Schluss.

Klassik Heute, Oktober 2016
Beethovens Violinkonzert sei für ihn wie ein Mount Everest, bekundet der schweizerische Violinist Sebastian Bohren, der im nächsten Jahr seinen 30. Geburtstag feiert und der schon jetzt fast alles in seiner internationalen Solistenkarriere erreicht hat. Bohren, der profilierte geigerische „Kaderschmieden“ wie etwa die eines Zakhar Bron durchlaufen hat und auf den schon Heinrich Schiff aufmerksam wurde, ist neben seinen vielen solistischen Bravourleistungen auch Bestandteil eines bemerkenswerten Schweizer Musikerkollektivs, der Chaarts Chamber Artists. International tonangebende Spieler verschreiben sich dem Ziel, Musik zur verbindenden gemeinsamen Erfahrung werden zu lassen. Dabei geht es „um Konsens und eben nicht um Kompromiss“, wie Sebatian Bohren selbst im Booklet schreibt.
Schon die ersten Wendungen des Orchesters beim Beethoven-Konzert zeigen, dass hier der unkonventionelle, aber stets unprätentiöse Blickwínkel gefragt ist. Da werden verblüffende Details an die Oberfläche geholt, was Beethovens Tonsprache ganz besonders nonkonformistisch erscheinen lässt - seien es die pochenden Pauken, die die markanten Viertelschläge des Themas akzentuieren oder vereinzelt aufblitzende, regelrecht moderne Dissonanz-Harmonien. Auch sie rütteln wach für die zeitlos frischen musikalischen Energien dieser Komposition, welche Sebastian Bohren beflügeln, diesem Giganten gerecht zu werden.
Schwindelerregend leichtfüßig vollzieht sich seine Interpretation – und da sind wir schon bei den geigerischen Meriten Bohrens. Seine Tongebung leuchtet und strahlt in allen Facetten, verfügt dabei aber stets über luftige Schlankheit. Faszinierende filigrane Beweglichkeit macht auch die vertracktesten Tongriffe plastisch durchdringbar, als wäre es das Selbstverständlichste.
Die drei Sätze des Konzerts kommen der Philosophie des künstlerischen Miteinanders sehr entgegen: Zwar tritt die Violine nach einer orchestralen Introduktion durch Bohrens Spiel überaus charismatisch ins Rampenlicht, jedoch sind Soloinstrument und Orchestersatz im folgenden zu einem komplexen sinfonischen Gesamtgefüge verwoben. Beständige Dur- und Moll-Kontraste sorgen für ein subtiles emotionales Wechselbad als Dauerzustand. Ein tief verinnerlichtes Larghetto legt eigene persönliche Bezüge zu diesem Meisterwerk offen, und ein frischerer musikalischer Weckruf, als der dritte Rondo-Satz dieses Konzertes wäre wohl kaum denkbar.
Wie setzt man nach einem solchen Gipfelwerk das Programm fort? Robert Schumanns Fantasie für Violine und Orchester op. 131 schöpft – aus dem Geist der Romantik - einmal mehr die Bandbreite zwischen subtiler Empfindung und kühner Virtuosität aus. Das Finale markiert dann – nun wieder in drei Sätzen - umso konsequenter den Kollektivgedanken der Chaarts Chamber Artists: Sebastian Bohrens Violine wird zum kammermusikalisch-gleichberechtigten Teil in einem Quintett, das Mozart schrieb und von Jean Françaix zum Nonett erweitet wurde. Kein Zufall: Jean Françaixs Vorliebe für melodisches Raffinement zeugt von Seelenverwandtschaft zum früheren Vorbild aus der Wiener Klassik. Hinzu tritt eine typisch französische Klangsinnlichkeit aus dem Geist des 20. Jahrhunderts. Bohrens eloquentes und in allen denkbaren Kontexten wiedererkennbares Violinspiel bereichert eine gemeinsame Konversation voller Esprit und Farbenreichtum.
Stefan Pieper [06.10.2016]

Gramophone, September 2016
It may seem brave (or perhaps foolhardy) for a relatively new ensemble and a youngish soloist/director – Sebastian Bohren (b1987) – to launch themselves into the world with a recording of Beethoven’s Violin Concerto. Nevertheless, that’s what the CHAARTS Chamber Artists have done. Full marks for ambition. And as these musicians are plucked from the Mahler Chamber Orchestra and inspired by the Lucerne Festival Orchestra (both projects of Claudio Abbado), they will have learnt a few things along the way. So what if they miss the gravitas of the epic first movement or the meditative stillness of the Larghetto? They make up for it in clarity, perfect ensemble born of close listening, and palpable dedication to the music. The Rondo finale might be the most successful movement, with the lighter forces contributing to its easy-going progress.

Bohren presents an admirable take on Schumann’s Phantasie too: cooler and more of a piece than Patricia Kopatchinskaja’s molten approach on her recent recording (Audite, 5/16) – but then, he’s clearly a very different sort of violinist. This Phantasie hangs together as it should and comes over less episodically than it often does.

The disc closes with Mozart reimagined by Jean Françaix. The Quintet for piano and winds is such a perfect and unusual piece in its uniquely pungent scoring – at least until Beethoven tried his hand at it – that one wonders why the Frenchman felt the need. Still, there it is, and it’s hard to fault this loving performance of such a loveable work. The disc is called ‘Equal’ and, all being so, comes as a distinctive calling card for an ensemble it may well prove worth following.

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Fine Music, August 2016
This version of Beethoven's Violin Concerto is very recommendable. Sebastian Bohren's performance is very classical; his tone is more French in Style than the often heard thicker Russian style. He phrases elegantly and coaxes a beautiful tone from his instrument. His soft, pure phrasing is very welcome in the quieter passages. The orchestra (apparently conducted by Bohren as no other conductor is mentioned) plays beautifully and the balance between the soloist and the orchestra is good. Not so much can be said for the other items on this disc. Schumann's Fantasia, written at the request if the famous violinist Joachim, dates from a time in his career when inspiration was at a low ebb. It has some moments of beauty and interest but is one of the world's justly neglected scores. Bohren and the orchestra do all they can to recommend the work, but it fails to make much of an impression....
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Fono Forum, August 2016
Viele Solisten halten das Beethoven-Konzert für das schwierigste Violinkonzert überhaupt. Intonation, Spannungsverlauf, Architektur und nicht zuletzt die Verzahnung mit dem Orchester glücklich in den Griff zu bekommen, ist eine Herkulesaufgabe. Und gibt es überhaupt noch Neues zu sagen zu diesem Werk? Der 1987 in Winterthur geborene Sebastian Bohren, Schüler u.a. von Zakhar Bron, Ingolf Turban und Ana Chumachenco, scheint die Aufführungstradition in keiner Weise als belastend zu empfinden. Er gestaltet mit leichter Hand und feingesponnenem Ton, mühelos, ohne etwas zu forcieren, dabei auch weitsichtig und strukturbewusst. Den zweiten Satz nimmt er, entgegen dem heutigen Trend, sehr langsam, aber ganz leicht und ohne weihevolles Pathos. Die Atmosphäre ist hier, bei weit gedehntem Spannungsverlauf, eher einem meditativen Zustand vergleichbar. Das ist schon riskant, denn beim Eingang ins Rondo-Finale herrscht fast Stillstand. Aber dann federt es wieder leicht und behende los, die Vortragsbezeichnung „delicamente“ wird dabei sehr treffend umgesetzt. Und immer sind die Chaarts Chamber Aartists hellwach mit dabei. Die tonliche Variabilität des klein besetzten Orchesters, das „historisierend“ sparsam mit Vibrato umgeht, ist enorm, manchmal meint man ein Gambenensemble zu hören. Die Kopplung des Beethoven-Konzerts mit der selten gespielten Violinfantasie von Robert Schumann ist ungewöhnlich, aber durchaus reizvoll. Klassisches Ebenmass trifft auf eine Welt verschlungener Emotionen. Bohren bewegt sich feinsinnig darin. Im Nonett, das Jean Francaix nach Mozarts Quintett für Bläser und Klavier KV 452 einrichtete, haben dann die Chaarts noch einmal einen grossen Auftritt und demonstrieren ihre Klasse. Norbert Hornig
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The Strad, August 2016
On this, his debut recording, the German violinist Sebastian Bohren brings out the feeling of even-tempered serenity that still distinguishes Beethoven’s Concerto. Bohren’s playing is classically contained, though coloured by a wider vibrato than the period-flavour unconducted chamber orchestra behind him. I miss a precisely gauged sense of scale to this most expansive of violin concertos: the peaks of the huge opening Allegro are all much the same height, and few depths are plumbed by the G minor meditation at the heart of the movement or the sweetly sung if not infallibly tuned Larghetto.

The performance really takes off in the finale, with levels of adrenalin carried through to the Schumann Phantasie, which is enjoying a welcome renaissance on disc. Here the absence of a directorial guiding hand is less keenly felt, and Bohren uncovers a more playful, less neurotic side to this late work than Thomas Zehetmair or Patricia Kopatchinskaja (both reviewed in the June issue). He leaves the stage to the Chaarts Chamber Artists for Jean Françaix’s nonet arrangement of Mozart’s K452 Quintet. This is a real charmer, done with graceful phrasing, sensuously blended tone and plenty of individual ideas that bloom in the airy acoustic of a Swiss radio recording.

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Concerti, Juli 2016
Intensiver Hörgenuss

Sebastian Bohren und CHAARTS zaubern ein Klangerlebnis, in das man am liebsten versinken möchte

von Julia Bleibler

Ein Beethoven, der durch Qualität überzeugt! Denn bei Sebastian Bohren steht allein die Musik im Zentrum. So verzichtet der Schweizer Geiger auf jeglichen Schnickschnack wie übertriebene Tempi oder selbstdarstellerische Radikalität. Vielmehr begreift er Beethovens Werk als Quelle des gemeinsamen Musizierens. Mit den CHAARTS Chamber Artists hat er dafür den idealen Partner gefunden: Frisch gesetzte Töne, intensiv und wachsam interpretiert. Besonders der zweiten Satz verschmilzt zu einem Klangerlebnis, in das man am liebsten versinken möchte. Auch Schumanns immer noch selten gespielte Fantasie leuchtet mit neuer Strahlkraft. Vervollkommnet wird die gelungene Zusammenstellung durch Françaix’ Nonett. Das bearbeitete Quintett von Mozart gelingt hier zu einem Meisterstück der Kammermusik, bei dem die hervorragend aufeinander abgestimmten Musiker einen kammermusikalischen Hörgenuss mit sinfonischen Anklängen zaubern.

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MDR Kultur, Juli 2016
Im Prinzip gibt es kaum Gründe, dem opulenten Katalog mit Aufnahmen des Beethoven'schen Violinkonzerts op. 61 eine weitere hinzuzufügen. So lässt es durchaus aufmerken, wenn ein junger Schweizer Geiger die Herausforderung einer neuen Exegese annimmt. Tatsächlich unterscheidet sich Sebastian Bohrens Lesart des Konzertes deutlich von anderen.
Das liegt zum einen an dessen uneitler, nicht auf virtuoses Auftrumpfen und exzentrische Volte konzentrierten Spiels, zum anderen am klein besetzten Begleitensemble: Die ohne Dirigenten agierenden "Chaarts Chamber Artists" versammeln ehemalige Mitglieder des "Gustav Mahler Youth Orchestra" und anderer renommierter Orchester und Kammer-Formationen. Entsprechend nuancenreich und detailverliebt präsentiert sich das Resultat.

Beethovens Meisterwerk wird gelesen aus der Perspektive der Kammermusik. Entschlackt, fast "historisch-informiert" im Klang und doch dem Farbreichtum der Vorlage zugewandt, zelebrieren zwei Dutzend Musiker einen eher zurückgenommenen, von Extremen befreiten Beethoven. Die Passion von Solist und Ensemble gilt Intimität, Intensität und der Tiefenauslotung des Notentextes. Insofern ist diese weitere Annäherung an Beethovens Werk – gegen anfängliche Zweifel – mehr als willkommen.

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Tagesspiegel, Juli 2016
Beethovens Violinkonzert gilt als der Gipfel - und manchen Interpretationen hört man die Mühen des Aufstiegs auch an. Der junge Schweizer Sebastian Bohren kennt die Berge und macht es anders: fabelhaft beiläufig, mit feinem, frechen Strich, fast kumpelhaft.
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Journal Frankfurt , Juli 2016
"Das ist ein Album, das in zweifacher Hinsicht aufhorchen lässt: Zum einen spielt hier ein junger 1987 erst geborener Geiger mit Beethoven eines der größten und interpretatorisch schwierigsten Violinkonzerte der Literatur, zum anderen macht er dies ohne Dirigenten. Denn als Orchester hat sich Sebastian Bohren die Chaarts Chamber Artists ausgesucht, die traditionell Musizieren als gemeinsamen Akt sehen. "Den wenigsten Dirigenten ist es möglich, von sich als Person abzusehen, sich nur als Coach oder Trainer zu verstehen, welcher im Konzert ebenso wenig auftaucht wie ein Fussballtrainer im tatsächlichen Spiel", begründete Orchestermitglied Andreas Fleck einmal die Entscheidung. Und tatsächlich: Selten hört man diese Ikone derart spontan, emotional und jung wie hier. Keine Spur von jener Erhabenheit, wie sie etwa Masur pflegte, kein klanglicher Monumantalbau im Stile eines Karajan. Auch so kann das Beethoven-Violinkonzert also klingen." (Journal Frankfurt Nr.13/2016)

Classicalear.co.uk, Juni 2016
The young Swiss violinist Sebastian Bohren gives a distinctive reading of the Beethoven Violin Concerto. He is expressive, but not overly opulent, with disciplined phrasing and a clear sense of direction.

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NDR Rundfunk, Juni 2016
Die Suche nach perfekten Harmonien

Vorgestellt von Chantal Nastasi

Sebastian Bohren ist ein junger Nachwuchsgeiger aus der Schweiz, der vor allem dort und im süddeutschen Raum viel konzertiert und sich etabliert hat, aber auch als Mitglied des Stradivari Quartetts erfolgreiche Tourneen rund um den Globus macht. Der 29-Jährige lässt auch mit seiner neuen CD aufhorchen: Sie heißt "Equal", und darauf zu hören sind Werke von Beethoven, Schumann und Françaix, die Bohren gemeinsam mit einem Schweizer Kammerorchester, den Chaarts Chamber Artists, aufgenommen hat.

Eine konzentrierte, dichte Einspielung mit viel Energie

Das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven zählt zu den Mount Everests der Geigenliteratur. Als sich Sebastian Bohren vor zwei Jahren entschied, eine CD mit den Chaarts Chamber Artists aufzunehmen, war ihnen allen schnell klar, dass dieses Werk eine zentrale Rolle auf der gemeinsamen CD spielen sollte.

Bohren und die rund zwei Dutzend Kammermusiker quartierten sich in einem ehemaligen Kloster ein, das heute als Musikerhotel mit hervorragenden Akustikräumen betrieben wird. Dort entstand eine sehr konzentrierte und dichte Einspielung: in engem Miteinander, sehr fokussiert und vor allem jeder mit einer wichtigen Stimme für den Gesamtklang.

Viel Energie geht von diesem Miteinander aus: Musizieren auf der vordersten Stuhlkante und doch wird Beethovens Tempoangabe "allegro ma non troppo" (schnell, aber nicht zu schnell) wörtlicher genommen als von manch anderem Orchester. Der langsame Satz besticht durch Intensität und Bedachtsamkeit, keiner spielt sich durch Sologänge in den Vordergrund.

Ein phänomenaler junger Geiger

Eine starke Sogwirkung geht von dieser Art des Musikmachens aus, von der Suche nach den perfekten Zusammenklängen, der Balance und dem adäquaten Ausdruck, die man als Zuhörer bei jedem Ton wahrnimmt. Auch in der Schumann-Fantasie für Violine und Orchester C-Dur hört man deutlich heraus, wie kammermusikalisch Bohren gestaltet, wenn er immer wieder seinen strahlenden, aber nie kitschig-brillanten Geigenton in den Klang des Orchesters bettet.

Als drittes und letztes Werk hat Bohren ein nicht ganz alltägliches ausgesucht: das Klavierbläserquintett von Wolfgang Amadeus Mozart in einer Bearbeitung für neun Stimmen von Jean Françaix. Die Bläserstimmen hat Françaix beibehalten, den Klavierpart hat er auf ein Streichquartett plus Kontrabass übertragen. Ein klanglich reizvolles Stück, bei dem Bohren sich nun mit seinen zuvor begleitenden Kammermusikern zusammentut. Doch was genau bedeutet schon "begleiten", wenn so intensiv zusammen Musik gemacht wird: Dass diese CD den Titel "Equal" (gleichberechtigt) trägt, ist sicher kein Zufall. Ein tolles Kammerensemble und ein interpretatorisch und klanglich phänomenaler junger Geiger - von beiden wünscht man sich in Zukunft mehr zu hören!

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The Guardian, Mai 2016
Youth to the fore here, with the stylish Sebastian Bohren giving a silky account of Beethoven’s Violin Concerto, accompanied by the conductorless Chaarts Chamber Artists, founded by former members of the Gustav Mahler Youth Orchestra in 2010 and since embellished by instrumentalists from leading orchestras and chamber ensembles. Their deliciously forthright reading of the Beethoven makes the Schumann Phantasie for violin and orchestra in C Major feel a bit thin in comparison, but Bohren and the players sparkle in Jean Jean Françaix’s Nonetto from 1995, an arrangement of Mozart’s E flat major quintet, K452. Françaix takes the piano part and redistributes it for string quartet and double bass, while retaining the wind parts of the original. The result is refreshingly rich in colour and nuance. Recommended.

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Schweiz am Sonntag, Mai 2016
Sebastian Bohren misst sich an Beethoven

Die ersten Takte der Pauke sind derart leise, dass man versucht ist, die Lautsprecherboxen zu überprüfen. Was ist falsch? Nichts. Nur, um das zu merken, muss man sich bedingungslos einlassen auf das, was – anders als so oft gehört – aus den Boxen dringt: Beethovens Violinkonzert. Unzählige Geiger haben sich an der grossformatigen Komposition versucht. Dass es für den international immer mehr reüssierenden Aargauer Geiger Sebastian Bohren (28) Beethoven sein musste, entspringt nicht der Selbstüberschätzung. Im Gegenteil: Er ist selbstkritisch genug, um seine Sicht auf das Werk als Momentaufnahme zur Diskussion zu stellen. Nicht der kraftvolle Zugriff ist Bohrens Sache, sondern das zarte Ausspinnen der Kantilenen bei massvollem Vibrato. Bisweilen kommt die Musik etwas ins Stocken. Aber das ist letztlich Beckmesserei, man lauscht gebannt, wie Bohren Beethoven entdeckt: Nicht als solistischer Triumphator, sondern als Primus inter Pares der knapp über 20 Musiker zählenden Chaarts Chamber Artists, die sich hörbar an der historisch infor- mierten Aufführungspraxis orientieren. Kurz: Bohrens Einstand beim renommierten Label RCA ist geglückt, zumal die CD «equal» – neben dem Beethoven-Kon- zert – noch mit erlesenen Kompositionen von Schumann und Mozart/Françaix aufwartet. ELISABETH FELLER

Orchestra di Padova e del Veneto / Luca Bizzozero - Sony Classical

(Juli 2014)

Kritiken
The Strad, Dezember 2015
Sebastian Bohren seems surprisingly laid-back in his approach to Pleyel’s Violin Concerto. Nevertheless, he performs the work with style, vitality and no mean virtuosity, playing with athleticism, taste and substantial precision (although there are instances when his intonation in both the higher registers and some double-stopping is slightly off-centre). He is constantly sensitive to the work’s subtle expressive nuances, particularly in the melancholy central Adagio cantabile, in which the tone of his 1710 ‘King George’ Stradivari resonates resplendently above the orchestral texture. His cadenzas are pertinent and appropriately realised, although that for the first movement seems excessively long for the period.

Musik und Theater , November 2015
Erfrischendes Debüt

Ein junger Schweizer Geiger macht mit seiner Debüt-CD nachhaltig auf sich aufmerksam: Sebastian Bohren, Jahrgang 1987, aufgewachsen in Brugg, ausgebildet von so verschiedenen Geiger-Persönlichkeiten wie Zakhar Bron, Ingolf Turban und Ana Chumachanco. Wenn Bohren spielt hat das tatsächlich immer etwas Spielerisches. Wie er das Eröffnungssolo im D-Dur Violinkonzert von Ignaz Pleyel angeht, nimmt sofort gefangen: Staccato-Ketten haben nicht einfach eine Richtung, sondern immer mal wieder überraschende Akzentwechsel, sein Vibrato wechselt zwischen Null und Hundert, und zwar nicht dort, wo man das erwarten würde. Gleichzeitig gibt es keine Attitüde, keine „Interpretationshaltung“. Eigentlich hat man stets den Eindruck, dass dieser Geiger halt einfach jede Stelle gerade so spielt, wie sie ihm im Moment gefällt. Das hat etwas sehr Erfrischendes, und an musikalischer Substanz – jedenfalls in einem gefälligen, technisch vielseitigen Konzert wie diesem Pleyel – geht überhaupt nichts verloren. Auch im langsamen Mittelsatz überzeugt der junge Schweizer mit einem intensiven, variablen, nie protzigen, aber immer geschmackvollen Geigenklang. Reinmar Wagner

ClassicFM, August 2015
Austrian-born Ignace Joseph Pleyel was a prolific Classical era composer and piano builder, producing 41 symphonies, 70 string quartets and several string quintets and operas. He's an example of a composer who was lauded in his own time but is almost unknown today. But performers are increasingly discovering his works - which turn out simply to be charming.

Here, Pleyel's Symphony F is given a spirited and precise account by Luca Bizzozero with the Orchestra di Padova e del Veneto, based on the complement of the classic symphony orchestra.

The young Swiss violinist Sebastian Bohren joins them for Pleyel's Violin Concerto in D, delivering his part with sensitivity and expression while the orchestra packs a considerable punch.

Also included here is a spritely Symphony in G by Johann Baptist Wanhal, an equally prolific Czech composer who produced some 100 quartets, at least 73 symphonies, 95 sacred works, and a large number of instrumental and vocal works.

Well worth discovering.

PRESSE

Generalanzeiger, Juli 2017

«Brugg ist meine Home Base» Sebastian Bohren kehrt im Rahmen der Reihe «Stretta Concerts» nach Brugg zurück. Die hiesige Stadtkirche ist für den Geiger ein Anker. Gespräch mit dem General-Anzeiger.gesamten Text lesen

Sebastian Bohren, welche Jahreszeit ist Ihnen am liebsten?
Der Frühling! Dann erneuert sich alles, frische Energie kommt auf. Und doch: Ich mag auch die Wanderlust des Sommers, die Farben des Herbsts und das Raclette im Winter.

Haben Sie denn in diesen Sommerwochen überhaupt Zeit zum Wandern?
Immerhin: Ich gönne mir fünf Tage Ferien in Zermatt.

Fünf Tage Sommerferien! Und das bei einem Programm von rund 90 Konzerten im Jahr. Erholen Sie sich da überhaupt noch?
Bis jetzt geht es. Viele Konzerte geben mir ja auch Kraft und Motivation. Wenns gut läuft, setzt das viel Energie frei. Wenns schlecht läuft, will das verdaut sein. 

Bleibt Ihnen denn Zeit zum Verdauen?
Die unheimlich schnelle Abfolge von Eindrücken und Erfahrungen ist tatsächlich eine Herausforderung in meinem Beruf. Kaum ist ein Projekt vorbei, folgt schon wieder das nächste.  So geht das Schlag auf Schlag. 
90 Konzerte im Jahr sind ja eigentlich  noch wenig. Ich schätze, das wird in den nächsten Jahren noch anziehen.  Dann können es schnell mal 150 pro Jahr werden. 
Als Musiker weiss ich aber den Wert von Pausen zu schätzen. Nach grossen Konzerten gönne ich mir einen Tag, an dem ich wasche, putze, administrative Sachen erledige und einfach mal etwas anderes mache. In dieser Abwechslung von Tätigkeiten erhole ich mich besser als wenn ich mich einfach in den Liegestuhl lege.

Ihre Planung umfasst insgesamt einen Zeitraum von dreissig Jahren. Das klingt, so von aussen besehen, nicht gerade nach grosser Freiheit.
Bei der langfristigen Planung geht es ja eher um eine Richtung, die ich im Leben verfolge, und weniger um konkrete Ziele. Natürlich verändert sich immer alles, und wenn ich ein Ziel erreicht habe, fühlt es sich oft ganz anders an, als ich es mir vorgestellt habe. Bei allem, was unverhofft auf mich zukommt im Leben, ist mir wichtig, dass ich nicht aus den Augen verliere, warum ich losgelaufen bin. Und ich schätze es gar nicht, auf dem Weg hängen zu bleiben. Im Verfolgen meines Ziels bin ich konsequent bis zum Letzten.

Nebst aller Konsequenz: Brauchen Sie als Musiker nicht auch eine grosse Offenheit? Immerhin müssen Sie sich ja in kurzen Abständen immer wieder auf ganz unterschiedliche neue Stücke einlassen.
Auf der einen Seite gibt es Dinge, durch die muss man nun mal hindurch, wenn man weiterkommen will. Dazu gehört etwa, immer wieder neue Stücke zu lernen, sich immer wieder zu überwinden, auf die Bühne zu gehen. Ich versuche, das sportlich zu nehmen und manchmal auch einfach durchzubeissen. 
Auf der anderen Seite ist da eine grosse Kraft. Diese unbändige Lust am Spiel ist das Wichtigste. Und natürlich bin ich auf meine Weise ein totaler Fanatiker. Ich brenne für das Instrument, den Klang, die Musik. Für mich gibt es nichts Schöneres als Üben!

Für das Konzert vom kommenden Sonntag in Brugg üben Sie nun die «Vier Jahreszeiten von Buenos Aires» von Astor Piazzolla. Was gefällt Ihnen an diesem Werk?
Ehrlich gesagt, gefällt es mir gar nicht so. 

Das überrascht mich jetzt aber.
Ich habe das Werk von Piazzolla gewählt, weil es sich einem sehr schnell erschliesst und es sich deshalb gut für ein breites Publikum eignet. Hört man es zum ersten Mal, ist es fantastisch.Ich selbst habe es aber schon so oft gespielt, dass ich nicht mehr das Erlebnis habe, viel Neues, Unerwartetes zu entdecken. 
Piazzolla ist nun mal nicht Vivaldi. Er benutzt aber viele Zitate von diesem Komponisten und hat das Werk toll arrangiert. An manchen Stellen geht es sogar richtig ab! Und dann gibt es da auch die besonders schönen, langsamen, melodiösen Teile. Mir gefallen die wunderbaren Klangfarben und Stimmungen, die es transportiert. Man spürt die Hitze, die Freude: Es hat etwas Ergreifendes. 

Nun kommen Sie doch noch ins Schwärmen.
Das wird auch bei der Aufführung so sein. Spiele ich mit diesem wunderbaren Ensemble, noch dazu in der Brugger Stadtkirche, werde ich mich ganz der Musik hingeben und in ihr aufblühen. Zudem freue ich mich, mit der Reihe «Stretta Concerts» einen liberalen Gedanken umzusetzen, den ich auch lebe. Musik soll allen Menschen zugänglich sein. Deshalb basieren die Konzerte dieser Reihe auf einer Kollekte.

Sie spielen mittlerweile in den grossen Konzerthäusern der Welt. Warum kehren Sie trotzdem immer wieder nach Brugg zurück?
Ich freue mich sehr, dass ich immer wieder kommen und hier spielen darf! Für mich als Musiker ist es enorm wichtig, eine Home Base zu haben. Die Brugger Stadtkirche ist für mich ein Anker. Hier habe ich in der vierten Bezirksschule gespielt und davon geträumt, einmal mit einem Orchester in diesen Raum wiederzukehren. Immer wieder in Brugg spielen zu dürfen, ist für mich ein Riesenglück!

Der Landbote, Juni 2017

Dieser sympathische Geiger ist längst zu einer der interessantesten Schweizer Musikerpersönlichkeiten auf dem internationalen Parkett gereift.gesamten Text lesen

Sebastian Bohrens Bach-Rezital sorgte in der Kirche Brütten für Standing Ovations

Er ist eben erst 30 Jahre alt geworden. Doch trotz seiner noch jugendlichen Reife wagt sich der Geiger Sebastian Bohren an den Kosmos der Solo-Sonaten von Johann Sebastian Bach. In der reformierten Kirche Brütten spielte er am Sonntag vor einer interessierten Zuhörerschaft drei davon auswendig. (Sibylle Ehrismann)

Die Solo-Sonaten Bachs sind für jeden Geiger eine geistige und technische Herausforderung. Dass Sebastian Bohren in der reformierten Kirche Brütten gleich drei davon hintereinander spielte, und das erst noch auswendig, ist eine sagenhafte Leistung – konzentrationsmässig und auch physisch.
Ob in der tiefsinnigen, dreizehn Minuten dauernden Chaconne der Partita II d-Moll BWV 1004 oder in der komplexen, technisch hoch anspruchsvollen Fuge der C-Dur-Sonata III BWV 1005, Bohren durchdrang diese vielschichtige Musik mit brillanter Klarheit und inniger Musikalität.

Seine wertvolle Stradivari-Geige King George 1710 entfaltetein den Doppelgriffen und der Schein-Polyphonie eine Vielfalt an Klangfarben, die eine grossartige strukturelle Transparenz zur Folge hatte. Die Violine ist ja eigentlich ein Melodie-Instrument, darauf ohne harmonisches Begleitinstrument eine Vielstimmigkeit zu entfalten, ist wie ein mystisches Wunder. Bohren spielte alles auswendig, und das mit einer rhythmischen Egalität und weitatmigen Phrasierung, die die Zuhörerschaft packte.

Nicht nur hochmusikalisch – auch hochintelligent

Den Schluss machte die E-Dur- Partita III BWV 1006 mit französischen Tänzen, die Bohren nach über einer Stunde Spielzeit mitlockerer Ausgelassenheit präsentierte. Die Standing Ovation des spürbar mitgerissenen Publikums war herzlich – schön, dass die reformierte Kirche Brütten für dieses «Bach-Laboratorium», wie Bohren sein Projekt nennt, nicht nur den Raum unentgeltlich zur Verfügung stellt, auch die Spenden kommen vollumfänglich seiner CD-Produktion zugute.
Denn aktuell bereitet sich Bohren darauf vor, die sechs Solo-Sonaten und -Partiten von Bach auf CD einzuspielen. Wie er vor dem Konzert dem für ein so anspruchsvolles Programm erstaunlich zahlreichen Publikum sagte, spielt er die drei Werke, die er diesen August aufnimmt, möglichst jeden Monat einmal öffentlich, um seine Interpretation so reifen zu lassen.
Der Winterthurer besuchte das Sportgymnasium für Hochbegabte im Rämibühl Zürich. So konnte er sich schon früh auf sein Violinstudium konzentrieren. Dass er nicht nur hochmusikalisch, sondern auch hochintelligent ist, zeigen seine CD-Einspielungen mit Werken, die nicht jeder kennt. So hat er etwa die Aufnahmen von Violinkonzerten Mendelssohns und Schuberts mit einem Violinkonzert von Karl Amadeus Hartmann gepaart. Demnächst tritt Bohren imneuen Saal der Elbphilharmonie Hamburg auf, und 2018 debütiert er am Lucerne Festival.
Dieser sympathische Geiger ist längst zu einer der interessantesten Schweizer Musikerpersönlichkeiten auf dem internationalen Parkett gereift. Doch kaum jemand weiss, dass er schon in seiner Jugendzeit in Gottesdiensten spielte: «Als ich sechzehn Jahre alt war», erzählt er im Gespräch, «suchte ich nach Möglichkeiten, regelmässig vor Publikum aufzutreten – und zwar möglichst ohne den Druck.» Sein Vater schlug ihm vor, bei verschiedenen Kirchgemeinden anzufragen, ob er einmal im Gottesdienst spielen dürfe. So entstanden über die Jahre Freundschaften und zahlreiche Konzerte. «Auch heute spiele ich noch sehr gerne im Gottesdienst, aber nur in Gemeinden oder mit Menschen, denen ich mich verbunden fühle.»

Besondere Bild-Wort-Klang-Gottesdienste in Brütten

So eine Verbindung hat sich mit Pfarrer Leonhard Jost von der Reformierten Kirchgemeinde Brütten entwickelt: «Ich kenne Pfarrer Jost seit vielen Jahren. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und haben in zahlreichen Gottesdiensten, auch ausserhalb Brüttens, zusammengearbeitet. Die von ihm organisierten Bild-Wort-Klang- Gottesdienste sind dabei wirklich etwas Besonderes.» Sich mit seiner Musik auf Bilder einzulassen, reizt den geistig regsamen Musiker Bohren. Das kann man wiederum am 12. November im Gottesdienst in Brütten erleben, in dem es um Luther und das 500-Jahr- Reformations-Jubiläum geht.
(Der Landbote)
Erstellt: 26.06.2017, 17:51 Uhr

Aargauer Zeitung, Mai 2017

Und wer war der ebenso umjubelte Solist? Natürlich: ein Aargauer! Der in Umiken aufgewachsene Geiger Sebastian Bohren gehört mit erst 30 Jahren bereits zu den Spitzenkönnern seines Fachs. (Beethoven Violinkonzert, 8. Mai, Tonhalle Zürich)

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